Kampfhunde als Kostenfaktor

Frankfurt ‐ Erwartungsvoll und ein bisschen grimmig schaut er auf dem Foto aus: „Mein Name ist TIGER und ich bin ein ausgesprochen hübsches Kerlchen mit einer tollen Fellfärbung. Wie viele Jung-Spunde bin ich sehr verspielt und ein richtiges Powerpaket“, lautet der Bildtext.

Der junge Staffordshire-Rüde lebt im Frankfurter Tierheim, nach der hessischen Hundeverordnung gilt er als gefährlicher Hund. Im Tierheim-Steckbrief heißt es, er habe ein freundliches Wesen und sei sehr bewegungsfreudig.

Mehr als 50 sogenannte Kampfhunde versorgt das Tierheim derzeit - die meisten wurden beschlagnahmt. Selten werden die Tiere an neue Besitzer vermittelt, manche bleiben den Rest ihres Lebens im Heim. Die Kosten trägt in der Regel der Halter. Wenn dort nichts zu holen ist, zahlt die Stadt.

Wie viele Pitbulls, Staffordshires oder andere gefährliche Hunde in hessischen Städten leben, wie viele ihren Besitzern weggenommen wurden und nun auf Kosten der Kommunen im Tierheim sind, lässt sich nicht beziffern, aber der hessische Städtetag sieht ein wachsendes Problem: „Die Unterbringung gefährlicher Hunde belastet die Kommunen finanziell zunehmend. Die Lage ist sehr angespannt“, sagt Referatsleiterin Anita Oegel. Es sei schwer, neue Halter zu finden, denn die Anforderungen seien hoch. Eine Umfrage in mehreren hessischen Städten brachte ein uneinheitliches Bild. Beißattacken gab es jüngst nur ganz vereinzelt.

Frankfurt zahlt dem Tierheim eine Pauschale, die aber nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Walter Rotter nicht ausreicht. Andere hessische Städte zahlen für solche Tiere zwischen 7,50 und 10 Euro am Tag.

Wesenstest ist Pflicht

Wer einen Kampfhund halten will, muss nach der Hundeverordnung Sachkunde vorweisen, für den Hund ist ein Wesenstest Pflicht. Hinzu kommt, dass manche Städte für Kampfhunde erheblich mehr Steuern kassieren als für andere - Frankfurt etwa verlangt 900 Euro im Jahr für einen solchen Hund, das Zehnfache des normalen Satzes. In Friedberg kostet ein normaler Hund pro Jahr 52 Euro, ein als gefährlich geltender 613 Euro.

Das schreckt viele ab, und so geht das Ordnungsamt in Friedberg davon aus, dass erheblich mehr Kampfhunde gehalten werden als bekannt ist. In der Wetteraustadt sind 18 Hunde registriert.

66 gefährliche Hunde hat Frankfurt seit Jahresbeginn eingezogen - weil ihre Besitzer nicht die erforderlichen Papiere vorweisen konnten, keine Hundesteuer gezahlt haben oder die Sachkundeprüfung fehlte. Im vergangenen Jahr seien 50 Hunde eingezogen worden, sagt Ralf Rohr vom Ordnungsamt. Die Steigerung erklärt er auch mit verstärkten Kontrollen. 300 gefährliche Hunde sind derzeit in Frankfurt registriert.

In Darmstadt sind 128 gefährliche Hunde registriert. Die Zahl habe sich verringert, sagte eine Sprecherin. Darmstadt bringt sichergestellte gefährliche Hunde im Tierheim unter, die Kosten trägt der Halter. In diesem Jahr wurden vier Hunde sichergestellt.

245 Kampfhunde sind in Wiesbaden gemeldet. Die Steuer ist hier für alle Hunde gleich und beträgt 75,60 Euro pro Jahr. Sichergestellt werden nur wenige Tiere.

In Hanau, wo derzeit 95 Tiere angemeldet sind, wurden in diesem und dem vergangenen Jahr drei Tiere nach Beißattacken sichergestellt. 900 Euro kostet die Unterbringung von Kampfhunden die Stadt.

In Offenbach stellt sich das Problem einer hohen Kostenbelastung nicht. „Derzeit befindet sich nur ein sichergestelltes Tier im Tierheim“, berichtet der Leiter des Ordungsamtes, Peter Weigand. Insgesamt sind in Offenbach, wo man auch für Kampfhunde den normalen Hundesteuersatz von 75 Euro verlangt, 184 als gefährlich eingestufte Hunde registriert. Bei den Wesenstests fiel in jüngster Zeit kein Tier durch, allerdings wurden 14 Verstößte gegen die Hundeverordnung geahndet.

dpa

Quelle: op-online.de

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