Gitarrist Matthias Jabs im Interview

Kampfjets statt Bühneneffekte: Scorpions feiern 50. Geburtstag

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Scorpions-Sänger Klaus Meine und Gitarrist Matthias Jabs beim Auftritt in der Festhalle im Mai 2010.

Frankfurt -  Die Scorpions gehören zu den erfolgreichsten deutschen Bands überhaupt. In ihrer Vita stehen über 100 Millionen verkaufte Tonträger, zahlreiche internationale Tourneen und Rock-Klassiker wie „Wind Of Change“ oder „Rock You Like A Hurricane“. Ihr 50-jähriges Bestehen feiert die Hannoveraner Band mit einer „50th Anniversary World Tour“. Christian Wachter sprach mit Gitarrist Matthias Jabs.

Wissen Sie noch, wie viele Konzerte Sie gespielt haben und in wie vielen Ländern?
Ich habe mal gelesen, es seien über 5000. Das kommt mir fast ein wenig viel vor. Einige Tausend Konzerte waren es aber bestimmt. Länder habe ich bislang 82 bereist, und eigentlich habe ich in jedem Land, in dem ich war, auch gespielt.

Gibt es Unterschiede, was das Publikum anbelangt?

Ja, die gibt es. In Südamerika beispielsweise sind die Menschen sehr temperamentvoll. Da hat man durchgehend eine richtig laute Geräuschkulisse. Der Norddeutsche ist da etwas besonnener, während in Skandinavien schon wieder exzessiver gefeiert wird. In Japan hingegen gibt es nach den Songs einen atemberaubenden Applaus; während wir spielen, ist es aber um so stiller. Grundsätzlich macht es aber vor jedem Publikum Spaß zu spielen.

Das heißt, Sie können sich noch richtig motivieren?

Ja, auch wenn es natürlich Unterschiede gibt. Erst neulich haben wir zum Beispiel im Barclays Center in New York gespielt. Das ist schon etwas anderes, als ein Auftritt in Columbus, Ohio. Das soll aber nicht abwertend gemeint sein. Das Publikum ist immer anspruchsvoll. Ich spiele zudem schwierige Stücke, da muss ich mich immer reinhängen, weshalb ich mich auch vor jedem Konzert 30 Minuten aufwärme.

Welches Konzert ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Das ist eine schwierige Frage. Aber wenn ich mich festlegen müsste: das US-Festival 1983 im Glen Halen Nationalpark in San Bernadino, Kalifornien. Da haben wir vor 300 000 Leuten als Co-Headliner von Van Halen gespielt und denen echt das Leben schwer gemacht. Weil wir aber eben nur Co-Headliner waren, das war damals so, durften wir keine Bühneneffekte benutzen. Also haben wir bei einer benachbarten Militärbasis angerufen. Und pünktlich zum Beginn des Konzert sind dann fünf Kampf-Jets über das Publikum geflogen. Wer schon mal einen Kampfjet gehört hat, weiß, wie laut das gewesen sein muss.

Gibt es einen typischen Scorpions-Konzertbesucher?

Da sind wir selbst überrascht: Inzwischen stehen Fans aus drei Generationen im Publikum, von jenen, die in unserem Alter sind, aus der alten Zeit, bis hin zu ganz jungen unter 20 Jahren. Vielleicht ist das auch durch Social Media erklärbar. In den Vereinigten Staaten gab es diesen Trend bis zuletzt nicht. Bei der aktuellen Tour standen aber viele junge Menschen in den ersten Reihen. Das ist schon etwas Besonderes, wenn man deren Begeisterung sieht.

Wie hat sich das Tourleben in all den Jahren verändert?

Gerade als wir die ersten Male durch die USA getourt sind, waren wir gleich ein halbes Jahr unterwegs. Der Tourbus mit zwölf Betten war voll besetzt, mit uns, und teils mit Familie. Natürlich war das damals auch schon komfortabel. Heute sind wir als Band alleine in einem Bus, der ähnlich groß, aber moderner ist. Alle haben DVD-Player an ihren Betten und diverse internetfähige Geräte. Da lässt sich viel regeln.

Das klingt eher nach Arbeit als nach Dauerparty.

Richtig, im Bus wird auch gearbeitet. Außerdem sind die Partyzeiten vorbei, das habe ich schon so häufig gemacht, dass es auch ein wenig langweilig wurde. Ich freue mich inzwischen auch, morgens noch etwas von der Stadt zu sehen, in der wir spielen und nicht den ganzen Tag nur rumzuhängen.

Was können die Besucher in Frankfurt erwarten?

Ein noch tolleres Konzert als beim letzten Mal. Vor allem, weil wir in großen deutschen Hallen unsere neue Multimedia-Show voll auffahren können. Das hat in Amerika zuletzt nicht immer geklappt.

Sie sind 1978 nach einem Casting in London zur Band gestoßen. Wie lief das ab?

Bei dem Casting war ich gar nicht. Die Scorpions hatten 140 Gitarristen getestet, aber anscheinend ohne befriedigendes Ergebnis. Meinen Vorgänger Uli Jon Roth und auch Rudolf Schenker kannte ich damals schon aus Hannover und wurde von den Scorpions zum Jammen eingeladen. Allerdings ohne, dass man mir gesagt hätte, dass ich vorspiele, um Mitglied der Band zu werden. Aber wenig später kam dann der Anruf ...

Zu der Ehre mit eigens angefertigten Fender-Gitarre zu spielen, kamen bislang nur wenige. Wie kam es dazu?

Der Chef von Fender war Scorpions-Fan und ist damals auf mich zugekommen. Vielleicht auch, um die Marke in Deutschland zu stärken. Aber es ist natürlich eine große Ehre. Vor allem weil der Kreis jener, die solche Gitarren spielen, recht klein ist und Größen wie Jeff Beck und Ritchie Blackmore dazu zählen. Mit denen konnte ich mich einmal in Frankfurt zu einer Jam-Session treffen, ein tolles Erlebnis. Ich spiele allerdings nicht nur Fender-Gitarren.

Scorpions auf Abschiedstournee

Etwa auch auf ihrer Gibson Les Paul von 1958? Oder steht die in der Vitrine?

Erst gestern habe ich noch auf der Gitarre gespielt. Sie klingt einfach toll. Auf die Touren nehme ich sie allerdings nicht mit.

2010 haben die Scorpions ihre Trennung bekannt gegeben. 2013 folgte der Rücktritt vom Rücktritt. Müssen die Fans befürchten, dass Sie sich erneut umentscheiden?

Der Rücktritt war damals ernst gemeint, wir haben wirklich selbst geglaubt, dass es bald zu Ende ist. Ich hatte mir auch schon Gedanken gemacht, was danach kommt. Jetzt wissen wir selbst nicht, wann es zu Ende sein wird. Und das ist auch gut so, das Ganze macht einfach noch viel zu viel Spaß.

Die Scorpions gastieren am 26. März 2016 in der Frankfurter Festhalle.

Quelle: op-online.de

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