Verzierung der Alten Brücke mit zwei Standbildern

Karl kehrt mit Brickegickel zurück

Frankfurt - Die für rund fünf Millionen Euro sanierte Alte Brücke ist seit Dezember wieder für den Verkehr frei. Von Claus Wolfschlag 

Professor Christoph Mäckler (links) und Verkehrsdezernent Stefan Majer vor der Originalstatue Karls des Großen.

Der für die Neugestaltung verantwortliche Architekt Christoph Mäckler, Vorsitzender des „Neuen Brückenbauvereins“, möchte die Brücke nun wieder mit zwei historischen Standbildern zieren: der Statue Karls des Großen und dem „Brickegickel“. „Es handelt sich um wichtige symbolische Elemente, die wiedererstehen sollen“, so Christoph Mäckler. „Immerhin war die Alte Brücke einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie hatte nicht nur großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung Frankfurts, sondern auch auf die Wahl des Ortes für die Kaiserkrönungen.“ Die 1222 erstmals erwähnte Brücke war bis ins 19. Jahrhundert der einzige trockene Mainübergang Frankfurts und lag an einer wichtigen Handelsroute. 18 Mal wurde sie im Laufe der Geschichte zerstört und erneuert, zuletzt 1945. Einst stand auf der Brücke eine Statue Kaiser Karls des Großen, die nun wieder zurückkehren soll. Die 1843 gefertigte Figur wurde der Stadt vom Städelschen Kunstinstitut geschenkt und 1914 wegen einer Brückenumgestaltung in ein Depot transportiert. Der zwischenzeitlich verlorene Kopf musste rekonstruiert werden, als man die Statue 1988 vor dem Historischen Museum aufstellte.

Im Besitz des Museums soll sie auch bleiben, um den roten Mainsandstein vor Witterungsschäden zu schützen. Somit hat sich der Brückenbauverein entschlossen, für 110.000 Euro eine Rekonstruktion für den alten Standort auf der Brücke herzustellen. Gefertigt wird der neue Karl im Bamberger Natursteinwerk. Die Fachfirma fertigt unter anderem die Sandsteinelemente des Fachwerkhauses „Goldene Waage“ in der neuen Frankfurter Altstadt sowie des gerade in der Rekonstruktion befindlichen Berliner Stadtschlosses. Die Firma Format4plus scannte die Daten der Originalfigur Karls des Großen nun mit Hilfe eines Lasers ein. Dann wird die Figur aus einem Sandsteinblock gefräst und abschließend von zwei Bildhauern bearbeitet. Für diesen Feinschliff ist ein halbes Jahr eingeplant, so dass mit der Aufstellung im nächsten Frühjahr zu rechnen ist. Der drei Tonnen schwere und 3,10 Meter hohe Karl wird auf einen über zwei Meter hohen Sockel platziert, auch um Sachbeschädigungen zu verhindern.

Sperrung der Schiersteiner Brücke

Bereits diesen Herbst soll zudem das von einem goldenen Hahn gekrönte Kruzifix des „Brickegickels“ wieder an die Brücke zurückkehren. Die 30.000 Euro für dessen Sanierung hat der Brückenbauverein an privaten Spenden zusammengetragen. Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) lobt das Engagement des Vereins: „Es geht bei diesem bürgerschaftlichen Engagement weniger um das Stopfen von Haushaltslöchern.“ Vielmehr zeige sich, dass Bürger sich mit ihrer Stadt identifizieren und Verantwortung übernehmen, so der Verkehrsdezernent. Derweil hegt der Brückenbauverein bereits neue Pläne. Auch diese stehen indirekt im Zusammenhang mit der Alten Brücke. So sollen in den nächsten Jahren die beiden Rathaus-Türme „Langer Franz“ und „Kleiner Cohn“ rekonstruiert werden. Die 1908 erbauten Rathaustürme sind historische Kopien der 1765 bzw. 1801 aus verkehrstechnischen Gründen abgebrochenen mittelalterlichen Türme der Alten Brücke. Da jene seit den alliierten Bombenabwürfen des Zweiten Weltkriegs durch schlichte Notdächer abgedeckt sind, die den verspielten Ursprungszustand nur erahnen lassen, sollen mittelfristig Spenden für die Rekonstruktion der markanten Turmspitzen gesammelt werden.

Zwar gab es vor Jahrzehnten ein Spendenangebot der Familie von Bethmann, aber die Stadt Frankfurt zeigte sich damals desinteressiert. „Nun besteht neue Hoffnung, denn wir leben in einer neuen Zeit mit verändertem Bewusstsein, in der sich viele Menschen als Antwort auf die Globalisierung wieder stärker am Ort verwurzeln möchten. Und dazu gehört die Idee, etwas für die Baukultur der Stadt zu tun“, so Christoph Mäckler. „In unserer reichen Gesellschaft muss es möglich sein, ein solches Vorhaben zu stemmen. Zumal das Rathaus auch den demokratischen Gedanken repräsentiert.“ Auch Majer zeigt sich angetan von der Rekonstruktions-Idee: „Ich hege ehrliche Sympathie dafür.“

Quelle: op-online.de

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