Kassen-Wahltarife: Verbraucherzentrale rät zur Vorsicht

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Die Tarife der Krankenkassen stehen denen der Telefonanbieter in Sachen Vielfalt in nichts nach. Doch hier wie dort lauern Fallstricke.

Offenbach ‐ Die Tarife der Krankenkassen stehen denen der Telefonanbieter in Sachen Vielfalt in nichts nach. Doch hier wie dort lauern Fallstricke. Von Ralf Enders

Daniela Hubloher, Medizinerin in der Patientenberatung bei der Verbraucherzentrale Hessen, rät zur Vorsicht bei den Wahltarifen: „Eine dreijährige Bindungsfrist mit Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung ist sehr kritisch zu sehen“, sagt sie. Solche Modelle seien der Privaten Krankenversicherung nachgeschneidert, um Patienten zu halten. Auch wenn das Kostenerstattungs- statt das Sachleistungsprinzip gelte, sei ein finanzielles Risiko gegeben, meint Hubloher. „Die Versicherten sind keine Privatpatienten, treten aber so auf“, erklärt sie. Der Arzt verschreibe dann oft Therapien oder Medikamente, deren Kosten gesetzliche Kassen für überzogen halten und nicht bezahlen. Hubloher berichtet von einigen Fällen, in denen gesetzlich Versicherte mit Zusatztarifen auf „enorm hohen Kosten“ sitzengeblieben sind.

Seit knapp drei Jahren gibt es im Zuge der Gesundheitsreform prinzipiell zwei Arten von Wahltarifen: jene, die sämtliche Krankenkassen anbieten müssen und jene, die die Kassen anbieten können. Diese Wahltarife sind seit der Einführung des einheitlichen Krankenkassenbeitragssatzes im vergangenen Jahr die einzige Möglichkeit, die Kassenbeiträge zu senken. Die Kassen können die Modelle individuell zusammenstellen. Das macht einen objektiven Vergleich nahezu unmöglich.

Die Vorstöße für Strafen und Sanktionen im Gesundheitswesen (siehe Artikel auf dieser Seite) hält Medizinerin Hubloher für untauglich: „Verantwortung für die eigene Gesundheit ist gut, aber hier wird ein Fass aufgemacht ... Was ist selbstverschuldet, wo liegen die Grenzen? Ein Kettenraucher kann den Lungenkrebs auch vom Umgang mit Asbest haben“, gibt sie zu bedenken.

Generell sieht Hubloher die zahlreichen Modelle mit Prämien und Boni skeptisch. „Zum Teil gibt es solche Prämien nur für Jüngere und Gesunde. Wer krank ist, kann nicht daran teilnehmen.“ Die Verbraucherzentrale stehe dem kritisch gegenüber, das Gesundheitswesen sei nun mal eine Solidargemeinschaft. „Viele ernähren sich einfach gesund und gehen jeden Morgen joggen - einen Nachweis führen sie nicht.“

Quelle: op-online.de

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