Betrug am Verbraucher

An Kassen wird oft falsch gewogen

Offenbach - „Das Ergebnis ist niederschmetternd. Wir hatten unsere Kontrollen ja diesmal sogar angekündigt und trotzdem haben wir in fast jedem dritten Geschäft Verstöße festgestellt“, sagt Klaus Pankow von der Eichdirektion unserer Mediengruppe. Von Peter Schulte-Holtey

Die Behörde hatte im Juli Testkäufer losgeschickt 280 Überprüfungen vorgenommen, die Beanstandungsquote war erstaunlich hoch. Verstöße in Supermärkten: knapp 20 Prozent; Beanstandungen in handwerklichen Betrieben - also Metzger und Feinkostläden: gut 33 Prozent. Regional am schlimmsten sah es übrigens in Südhessen aus: Dort gab bei 60 Prozent aller Testkäufe verstöße. Die handwerklich geführten Betriebe schnitten mit 69 Prozent richtig schlecht ab.

Lesen Sie dazu auch:

Kommentar: Unlauterer Handel

Verpackungen von offenen Lebensmitteln, Wurst zum Beispiel, Obst oder Gemüse, sind nicht schwerer als ein paar Gramm. Für den Kunden, der beim Abwiegen der Produkte an der Theke oder auf dem Markt die Verpackung mitunter mitbezahlt, sind das nur Cent-Beträge - eine Kleinigkeit, könnte man meinen. Aber für die Händler bedeutet diese Methode, bekannt als „brutto für netto“, ein Plus. Selbst bei einer kleinen Metzgerei kann das Mitwiegen einen „Mehrverdienst“ von über 500 Euro im Jahr bedeuten.

Wird systematisch getrickst?

Obwohl die Eichordnung vorschreibt, dass lose Waren ohne die Verpackung gewogen werden müssen, nutzen Verkäufer die sogenannte Tara-Funktion an der Kasse nicht; damit kann ganz einfach das Verpackungsgewicht bestimmt und schließlich vom Gesamtgewicht abgezogen werden. „Man sollte die Verkäufer beobachten. Wenn der Wiegevorgang nicht nachvollziehbar ist: einfach nachfragen und es sich erklären lassen“, rät Pankow. „Und wenn das nichts fruchtet, kann man auch uns bei der Eichdirektion ansprechen. Wir gehen allen nachvollziehbaren und konkreten Vorwürfen nach. Nur anonym dürfen sie nicht sein.“

Gründe hören die Kontrolleure genug, warum zum Beispiel bei Fleischsalat das Schälchen mitgewogen wird. „Oft drängt sich der Verdacht auf, dass systematisch getrickst wird.“ Für den Sprecher der Eichdirektion ist es „völlig unverständlich“, dass die Betriebe diesen Imageschaden riskieren. Und er warnt: „Die Überwachung wird nächstes Jahr wiederholt, insbesondere in Südhessen. Vielleicht helfen ja die Bußgelder.“ Die Betroffenen müssen bis zu 200 Euro zahlen. „Persönlich, denn der Fehler liegt beim Bediener der Waage, nicht beim Arbeitgeber“, so Pankow.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare