„Katastrophales Szenario“

Frankfurt/Wiesbaden - Die Lufthansa wehrt sich gegen eine mögliche Ausweitung des bestehenden Nachtflugverbots an ihrem zentralen Drehkreuz Frankfurt.

Die Einbeziehung weiterer Nachtrandstunden wäre für das Unternehmen wie auch für den Flughafen ein „Katastrophenszenario“, sagte gestern Konzernchef Christoph Franz. Bei einem noch weiter ausgedehnten Start- und Landeverbot seien die Umläufe zahlreicher Interkontinental- Verbindungen nicht mehr darstellbar. Frankfurt werde aber auch mit einem dauerhaften Nachtflugverbot ein wichtiger Standort für die Fracht bleiben. Man werde das Geschäft nicht wegen 17 verbotener Nachtflüge aufgeben, sagte Franz. Kunden müssten ihre Expressfracht nun per Lkw zur Konkurrenz nach Luxemburg, Hahn, Amsterdam oder Paris schaffen.

„Wir können uns dem Flughafen Frankfurt nicht entziehen“, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. Der Standort sei deutlich effizienter als andere und werde weiterhin eine wichtige Rolle spielen, habe aber nicht mehr die gleichen Wachstumschancen wie zuvor. „Die Lufthansa Cargo bleibt in Frankfurt.“

Die Opposition im Hessischen Landtag sieht sich durch die Haltung des Bundesverwaltungsgerichts zum Nachtflugverbot bestätigt. Es sei wahrscheinlich, dass das Urteil die vollständige Umsetzung des Mediationsergebnisses mit dem Einhalten der Nachtruhe vorsehe, teilte die SPD gestern in Wiesbaden nach der mündlichen Verhandlung in Leipzig mit. Das Gericht will am 4. April seine Entscheidung bekanntgeben.

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Die Grünen sprachen von einem „peinlichen Auftritt“ der Landesregierung, da deren Anwalt vehement für 17 Nachtflüge gekämpft habe. Dagegen betonte Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) erneut, dass es dem Land bei der Revision um Rechtssicherheit gegangen sei. Er werde ein Nachtflugverbot - falls rechtlich möglich - konsequent umsetzen.

Der vierte Senat des Bundesverwaltungsgerichts hatte am Mittwoch wie berichtet nach zweitägiger Verhandlung erkennen lassen, dass er das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs (VGH) aus dem Jahr 2009 bestätigen will. Der VGH hatte die vom Land vorgesehenen 17 Nachtflüge in der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr gestrichen und später ein vorläufiges Nachtflugverbot verhängt. SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel zeigte sich optimistisch, dass das Urteil neben einem dauerhaften Nachtflugverbot auch für Entlastung in den Randstunden sorgen werde. Posch bat um Geduld, bis das Urteil feststehe: „Wir wissen noch nicht, welche Aspekte mit welchem Ergebnis sich am 4. April in der Entscheidung wiederfinden.“ Aus der mündlichen Verhandlung lasse sich aber bereits ableiten, dass die eigentliche Ausbauplanung am Flughafen nicht infrage gestellt werde, der Ausbau also rechtens gewesen sei.

dpa 

Quelle: op-online.de

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