Urlaubszeit bietet für Täter günstige Gelegenheiten

Keine Ferien für Einbrecher

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Gelegenheit macht Diebe: In der Ferienzeit haben es Einbrecher auf leere Wohnungen und Häuser abgesehen.

Frankfurt - Mallorca statt Marburg, Rimini statt Rödermark - viele Hessen zieht es im Sommer in den Urlaub. Zurück bleiben leere Häuser und Wohnungen, auf die es so mancher Einbrecher abgesehen hat. Von Christian Schultz

Koffer gepackt, Haustür abgeschlossen und ab geht’s in den Urlaub. Viele Hessen begeben sich während der Sommerferien auf Reisen. Dann sind zwischen Kassel im Norden und Heppenheim im Süden viele Häuser und Wohnungen leer - was Einbrecher auf den Plan ruft. Max Weiß, Sprecher des Hessischen Landeskriminalamtes (LKA), drückt das so aus: Die Urlaubsabwesenheit biete für Täter günstige Gelegenheiten. Die absolute Hochsaison für Einbrecher seien die heißen Urlaubsmonate aber nicht - unter dem Strich passiere in den dunkleren Wintermonaten mehr.

Ähnlich beurteilt das Reinhard Giesa, Leiter des Hauptsachgebietes Prävention im Polizeipräsidium Nordhessen in Kassel. „Die Hochzeit des Einbruchs ist die dunkle Jahreszeit. Es ist aber nicht so, dass im Sommer nichts passiert.“ LKA-Mann Weiß rät: „Immobilienbesitzer und Mieter sollten ihr Haus oder ihre Wohnung auch während der Abwesenheit bewohnt aussehen lassen.“ Hilfreich seien Steuerungen von Lichtschaltern oder Rollläden. „Ideal sind natürlich Haussitter.“ Gebe es die nicht, sei es ratsam, sich mit Nachbarn abzusprechen und sie zu bitten, etwa den Briefkasten regelmäßig zu leeren.

Hessenweit ist die Zahl der Wohnungseinbrüche laut der Polizeilichen Kriminalstatistik des LKA 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf knapp 11.000 Fälle gestiegen - und damit weniger stark als in anderen Bundesländern. Dass Vorbeugen helfen kann, zeigt die Tatsache, dass es in mehr als 4600 Fällen beim Versuch eines Einbruchs blieb und die Täter nicht hinein kamen. Laut LKA lag die Versuchsquote damit bei 42,4 Prozent, die höchste seit 1971.

Problematisch ist für von Einbrüchen betroffene Menschen nach Erfahrung der Polizei neben dem materiellen Verlust vor allem der damit verbundene Eingriff in die Privatsphäre. Dieser kann die vermeintliche Geborgenheit der eigenen vier Wände zerstören. Laut der Opferschutzorganisation Weißer Ring macht das verloren gegangene Sicherheitsgefühl den Opfern häufig sogar mehr zu schaffen.

Angesichts dessen fordert Haus & Grund Hessen, der Landesverband der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, mehr Anstrengungen des Staates, um die Bürger vor solcher Form der Kriminalität zu schützen. An den Fallzahlen lasse sich ablesen, dass dies offensichtlich noch nicht in ausreichendem Maße geschehe. Die Forderung nach mehr Schutz gelte besonders in der Urlaubszeit, die von Tätern bevorzugt genutzt werde, sagt Landesverbandsgeschäftsführer Younes Frank Ehrhardt.

Zehn kuriose Kriminalfälle 2014 in Hessen

Auch Reinhard Giesa aus Kassel weiß um die Probleme von Einbruchsopfern. „Das geht an keinem spurlos vorbei“, sagt er. „Das schüttelt bei vielen die Psyche durch.“ Insbesondere bei Frauen bleibe häufig ein Unwohlsein zurück, einige schliefen noch Monate nach einer Tat schlecht. Während auf dem Land mit vielen Einfamilienhäusern die Täter häufig durch Fenster einstiegen, geschehe das in Städten mit zahlreichen Mietshäusern eher durch die Tür, sagt Giesa. Ein ungesichertes Fenster könne ein geübter Einbrecher etwa mit einem Schraubenzieher in 20 Sekunden öffnen.

„Dabei hat man gute Chancen, sich wirkungsvoll zu schützen“, betont Giesa. Und das bei überschaubaren Kosten, die polizeiliche Beratung zu diesem Thema sei kostenlos. Investitionen werden gegebenenfalls von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterstützt. Doch viele schöben solche Investitionen vor sich her, sagt Giesa. „Im persönlichen Empfinden sind Einbrüche keine unmittelbare Gefahr, man schiebt das oft weg.“ Das ändere sich erst, wenn es in der Nachbarschaft zu Vorfällen komme.

„Einbrecher müssen sich immer mehr einfallen lassen, weil die Sicherheitstechnik immer besser und kleiner wird“, meint Silke Wollmann vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) in Bad Homburg. Alarmanlagen mit Videoüberwachung etwa seien vor 20 Jahren noch wesentlich teurer als heutzutage gewesen. Ein hundertprozentige Sicherheit gebe es aber nicht. „Sie haben immer auch ausreichend Verbrecher, die sehr wohl wissen, wie moderne Alarmanlagen funktionieren.“

dpa

Quelle: op-online.de

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