Empörung über Adidas, Puma, H&M und Deichmann

Keine Mietzahlungen wegen Corona-Krise: Boykott-Aufrufe gegen Konzerne

Nachdem Adidas ankündigt Mieten für Filialen wegen der Corona-Krise nicht mehr zu bezahlen, kommt es zu Boykott-Aufrufen.
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Nachdem Adidas ankündigt Mieten für Filialen wegen der Corona-Krise nicht mehr zu bezahlen, kommt es zu Boykott-Aufrufen.

Konzerne wie Adidas, Puma, H&M und Deichmann haben angekündigt, wegen der Corona keine Mieten mehr zu bezahlen. Das führte zu Boykott-Aufrufen. Jetzt hat Adidas reagiert.

  • Mehrere Konzerne haben angekündigt, ihre Mieten auf Grund der Corona-Krise vorerst nicht mehr zu bezahlen
  • In den sozialen Netzwerken kommt es zu Empörung und Boykott-Aufrufen
  • Mittlerweile hat Adidas auf die massive Kritik reagiert

Adidas ist im Moment 40 Milliarden Euro wert. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte der Konzern einen Gewinn von fast zwei Milliarden Euro erzielen. Trotzdem will der Sportartikelhersteller wegen derCoronakrise ab April keine Mieten mehr für seine Filialen zahlen. Aktuell seien rund 70 Prozent der weltweiten Filialen geschlossen, sagte Adidas-Vorstandschef Kasper Rorsted. Man rechne mit massiven Umsatzeinbrüchen. 

Mit diesem Schritt ist Adidas nicht allein. Auch Puma, H&M und Deichmann haben angekündigt, die Mietzahlungen für ihre Filialen vorerst einzustellen. Dieser Schritt sorgte für massive Empörung und mündete in Boykott-Aufrufen gegen die betreffenden Unternehmen in den sozialen Netzwerken. 

Keine Mietzahlungen wegen Coronakrise: Boykott-Aufrufe gegen Adidas

Aber wieso ist ein Mietstopp überhaupt möglich? Der Bundestag hatte am vergangenen Mittwoch (25.03.2020) im Rahmen eines milliardenschweren Hilfspakets beschlossen, dass Mietern von April bis Juni nicht gekündigt werden kann, wenn sie auf Grund der Coronakrise ihre Miete nicht bezahlen können. Die grundsätzliche Zahlungspflicht bleibt allerdings bestehen. Es werde „das Recht der Vermieter eingeschränkt, Mietverhältnisse wegen Zahlungsrückständen zu kündigen, wenn Mieter Covid-19-bedingt die Miete nicht zahlen können", sagte ein Sprecher des Bundesjustizministeriums. 

Keine Mietzahlungen wegen Coronakrise: Kritik an Adidas, H&M, Puma und Deichmann

Diese Maßnahme ist vor allem für Privatpersonen und Kleinunternehmer gedacht, die wegen der Coronakrise tatsächlich um ihre Existenz fürchten müssen. Also nicht zu vergleichen mit der Situation der Großkonzerne. Das Vorhaben von Adidas, Puma und Co., die Mieten für ihre Filialen nicht mehr zu bezahlen*, stieß dementsprechend auf starke Kritik. „Wenn jetzt finanzstarke Unternehmen einfach ihre Mieten nicht mehr zahlen, ist dies unanständig und nicht akzeptabel“, sagte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD). Die Corona-Hilfsgesetze böten dafür keine Grundlage. 

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) kritisierte insbesondere das Vorgehen von Adidas als unsolidarisch: „Es sind ja nicht nur die großen Immobilieneinrichtungen, sondern auch kleine, die als Privatpersonen an Adidas vermieten – und die bleiben dann auf ihren Kosten sitzen.“ Auch Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) appellierte an die Konzerne: „Jetzt müssen alle die Krise gemeinsam schultern (...) Alle sind gefordert, sich nicht wegzuducken.“ 

Shitstorm und Boykott-Aufrufe gegen Adidas wegen Mietstopp in Coronakrise

In den sozialen Medien sorgte die Ankündigung der Unternehmen für massive Empörung. Besonders auf Twitter kam es vermehrt zu Boykott-Aufrufen. Unter dem Hashtag #BoykottAdidas forderten User dazu auf, den Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach von nun an zu boykottieren. Unter anderem kündigte Vize-Europaparlamentspräsidentin Katarina Barley (SPD) an, ab jetzt keine Schuhe mehr von Adidas kaufen zu wollen. 

Viele User werfen Adidas vor, das Gesetz, das Kleinunternehmer und Privatpersonen vor dem Ruin durch die Coronakrise schützen soll, schamlos auszunutzen. Trotz Milliardengewinn keine Mieten zahlen zu wollen, sei vor allem in der momentanen Zeit absolut unsolidarisch. Bis sich das ändere, solle Adidas boykottiert werden. 

Keine Mietzahlungen wegen Corona-Krise: Adidas rudert nach Boykott-Aufrufen zurück

Adidas zeigte sich zunächst von der heftigen Kritik und den Boykott-Aufrufen überrascht. Man habe sich „nicht entschieden, die Miete für den Monat April nicht zu bezahlen", sagte ein Sprecher des Konzerns. Es gehe lediglich um eine Stundung der Zahlungen. Mittlerweile ist Adidas allerdings zurückgerudert und will zumindest privaten Vermietern auch während der Coronakrise in den nächsten Monaten wie gewohnt die Miete zahlen, wie Vorstandschef Kasper Rorsted mitteilte. Die meisten Geschäfte würden aber ohnehin von großen Immobilienvermarktern und Versicherungsfonds angemietet. Diese hätten für die Maßnahme, die Mietzahlungen vorläufig einzustellen, „überwiegend Verständnis gezeigt“. 

Von Finn Jakob Müller

Das Coronavirus bedroht die Wirtschaft. Viele Unternehmen melden Kurzarbeit an – Bundesagentur für Arbeit verspricht schnelle Auszahlung von Kurzarbeitergeld. Der Corona-Wirtschaftsticker.

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