Verband attackiert auch EZB-Politik

Keine Strafzinsen bei Sparkassen

Frankfurt - Angeblich kostenlose Konten von Konkurrenten sind den Sparkassen in Hessen ein Dorn im Auge. Derweil haben sie im vergangenen Jahr trotz niedriger Zinsen gute Geschäfte gemacht. Von Marc Kuhn

Der Sparkasse- und Giroverband Hessen-Thüringen (SGVHT) lehnt Strafzinsen für Kunden ab. Gleichzeitig kritisierte er die Gratiserwartungen an Geldinstitute und die Finanzpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) scharf. „Wir Sparkassen sollten von negativen Einlagezinsen tunlichst die Finger lassen“, sagte Verbandspräsident Gerhard Grandke gestern in Frankfurt. Viele Kunden würden Zinsen knapp über der Nulllinie schon als Zumutung empfinden. „Zinsen unter dem Gefrierpunkt würden sie nicht mehr akzeptieren.“ In dem Verband sind 34 Sparkassen in Hessen und 16 in Thüringen zusammengeschlossen.

Grandke erklärte weiter: „Im Bewusstsein vieler Menschen hat sich inzwischen die Erwartungshaltung festgesetzt, dass Bankdienstleistungen nichts kosten dürfen.“ Politik, Gerichte und Verbraucherschützer würden die Einnahmequellen von Banken und Sparkassen ganz oder teilweise in Frage stellen. Die zunehmende Gratiserwartung wird nach den Worten von Grandke auf Dauer nicht gut gehen. „Denn natürlich sind Bankdienstleistungen nicht umsonst. Hinter Filialen, Geldautomaten und Webseiten steht eine Infrastruktur, ein Apparat mit Menschen, Technik und Prozessen. Das alles kostet Geld.“

Zweifel an sinnvoller Hilfe für Krisenländer

Auch die expansive Geldpolitik der europäischen Notenbank verärgert den Verband. „Mit dem geplanten Kauf von Staatsanleihen in Billionenhöhe stößt die EZB jetzt in eine neue Dimension vor“, sagte Grandke. Er äußerte Zweifel daran, dass den südeuropäischen Krisenländern auf diese Weise geholfen werden kann. „Denn für Spanien, Portugal und Italien hat sich der Spruch bewahrheitet: ,Man kann die Pferde an die Tränke führen. Saufen müssen sie aber schon selber’“ Doch das sei das Problem. „Die Pferde stehen an der Tränke, die von der EZB rappelvoll mit Liquidität gefüllt wurde. Sie wollen aber partout nicht trinken.“

Grandke sprach sich für Investitionen - auch in Deutschland - aus. „Wir brauchen in Europa mehr als Liquidität“, erklärte er. „Wir benötigen vor allem mehr Wachstumsimpulse, mehr Investitionen.“ Auch in Deutschland gebe es einen Investitionsstau. Angesichts der Krisen würden sich viele eigenkapitalstarke Unternehmen aber mit Ausgaben zurückhalten. „Aus meiner Sicht muss der Staat in dieser Situation als Eisbrecher fungieren und bei den Investitionen vorspuren“, sagte der Verbandspräsident. Er gab zwar zu bedenken, dass das Engagement zulasten des Ausgleichs des Staatshaushalts gehen könnte. „Meiner Meinung nach darf die Konsolidierung der öffentlichen Kassen, die schwarze Null, aber nicht zum Selbstzweck oder zum Fetisch werden.“ Grandke fügte hinzu: „Es macht keinen Sinn, einen ausgeglichenen Haushalt zu feiern, wenn Straßen und Brücken an Schlaglochpisten erinnern, und Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser zerbröseln und vergammeln.“

Abwicklungsfonds sorgt für Unmut

Für Unmut bei den Sparkassen sorgt auch der auf europäischer Ebene geplante Abwicklungsfonds für Banken, der bis 2024 etwa 55 Milliarden Euro umfassen soll. Einzahlen sollen auch die Sparkassen, „die den Abwicklungsfonds wegen ihrer Institutssicherung nie in Anspruch nehmen werden“, berichtete Grandke. Sie würden bei dem Fonds „in kollektive Mithaftung für systemrelevante und grenzüberschreitend tätige Banken genommen“.

Zum abgelaufenem Geschäftsjahr erklärte Grandke: „Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben dem Niedrigzinsumfeld erneut getrotzt und ein recht gutes Geschäftsergebnis eingefahren.“ Ihre Bilanzsumme sei 2014 um 1,2 Milliarden oder 1 Prozent auf gut 114 Milliarden Euro gestiegen. Vor allem das Kredigeschäft habe sich dynamisch entwickelt. Die ausgeliehenen Gelder hätten sich um 1 Milliarde oder 1,6 Prozent auf mehr als 62,4 Milliarden Euro erhöht. Grandke sprach unter anderem von einem anhaltend starken Baufinanzierungsgeschäft mit Privatkunden. Bei Wohnungsbaudarlehen sieht er auch 2015 Wachstum. „Im Einlagengeschäft war der Wettbewerb im vergangenen Jahr erwartungsgemäß hart und intensiv.“ Dennoch seien die angelegten Gelder um 1,6 Milliarden oder 1,8 Prozent auf über 88,3 Milliarden Euro gestiegen.

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Der Zinsüberschuss als wichtigste Ertragssäule der Sparkassen ist 2014 um 0,3 Prozent auf fast 2,5 Milliarden Euro gesunken. Wegen verstärkten Wertpapierkäufen der Kunden ist der Provisionsüberschuss um 19 Millionen oder drei Prozent auf mehr als 656 Millionen Euro gestiegen. Bei dieser Ertragsquelle sieht Grandke noch „Luft nach oben“.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung lag im vergangenen Jahr bei 1,1 Milliarden Euro, 26 Millionen Euro oder 2,2 Prozent weniger als 2013. Das Ergebnis nach Bewertung beläuft sich auf gut 1,2 Milliarden Euro, 177 Millionen Euro oder 16,8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Quelle: op-online.de

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