Kfz-Gewerbe Hessen steigert Umsätze trotz VW-Abgasskandal

Autohäuser wollen an Daten der Kunden

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Frankfurt - Im Zeitalter der Digitalisierung wollen auch die hessischen Kfz-Händler und Werkstätten an die Autodaten ihrer Kunden kommen. Von Marc Kuhn 

„Wenn man hört, dass die Hersteller eine direkte Schnittstelle zum Kunden haben wollen, dann ist das ein Alarmsignal für den Handel und Service“, sagte der Präsident des Kfz-Gewerbes Hessen, Jürgen Karpinski, gestern in Frankfurt. „Auch unsere Betriebe benötigen einen gleichberechtigten Zugang zu allen Daten und Informationen des Kraftfahrzeugs.“ Nach vorheriger Freigabe durch die Kunden bräuchten die Werkstätten ausschließlich fahrzeugrelevante Daten etwa zu Inspektionen oder sich anbahnenden Schäden. Derweil spürt das hessische Kfz-Gewerbe keine Auswirkungen der VW-Abgasaffäre. „Das Jahr 2015 ist gut gelaufen, trotz des Skandals um manipulierte Emissionswerte“, berichtete Karpinski. „Sowohl bei den Neuzulassungen als auch im Gebrauchtwagengeschäft haben wir Zuwachsraten zu verzeichnen. Und auch das Servicegeschäft hat sich nach dem Einbruch in 2014 wieder erholt.“

Die Umsätze haben sich um 8,1 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro erhöht. Allerdings sei die Durchschnittsrendite mit 1,4 Prozent kaum gestiegen, erklärte Karpinski. Die Betriebe benötigten eine dreiprozentige Rendite, „um in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, in moderne Werkstatttechnik und nicht zuletzt in Glas, Stahl und Steine nach den Vorgaben der Hersteller für den Neuwagenvertrieb zu investieren“. Die Erlöse aus dem Verkauf von Neuwagen sind den Angaben zufolge in Hessen um 9,1 Prozent auf etwa zehn Milliarden Euro geklettert. Die Zahl der Neuzulassungen stieg um neun Prozent auf knapp 344.000 Fahrzeuge. Beim Verkauf gebrauchter Autos steigerte das Kfz-Gewerbe die Zahl um 4,1 Prozent auf rund 561.000 Stück. Daraus errechnete sich ein Umsatz von fast sechs Milliarden Euro und eine Steigerung von 9,5 Prozent gegenüber 2014. Der Durchschnittspreis eines Neuwagens ist auf 29.030 Euro geklettert, wie Karpinski weiter erklärte. Für ein gebrauchtes Auto mussten Kunden im Schnitt 10.740 Euro zahlen.

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Die Erlöse aus dem Werkstattgeschäft stiegen um 1,3 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Die gut 4430 hessischen Kfz-Betriebe hätten 2015 etwa 7,4 Millionen Werkstattaufträge bearbeitet, das seien mehr als 1670 pro Unternehmen, erläuterte Michael Kraft, Vizepräsident des Landesverbands. Unterdessen ist die Rückrufaktion wegen des VW-Abgasskandals nach den Worten von Karpinski in Hessen reibungslos angelaufen. Bisher sei das Modell Amarok in die Werkstätten gerufen worden. „Die Kunden sind zufrieden“, sagte Karpinski zum Ablauf der Aktion. Jetzt sollen weitere Modelle folgen. Wie viele Fahrzeuge in Hessen von den Mauscheleien bei den Emissionen betroffen sind, konnte Karpinski nicht sagen.

Quelle: op-online.de

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