Ausbildungen in Teilzeit

Kind und Karriere unter einem Hut

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Frankfurt - Eine Ausbildung ist eine Herausforderung, ganz besonders für alleinerziehende Mütter. Fachleute fordern mehr Teilzeitmodelle für junge Frauen – auch im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel. Von Lena Marie Jörger 

Daniela Siegls Tagesablauf ist straff organisiert: Aufstehen, Kind versorgen und zur Kita bringen, dann schnell weiter zum Arbeitsplatz. Die junge Mutter macht gerade die Ausbildung zur IT-Systemelektronikerin bei der Telekom – in Teilzeit, ein Angebot, das nach Meinung von Experten noch viel zu selten ist. „2005 wurde die Möglichkeit der Teilzeitausbildung im Berufsbildungsgesetz verankert“, sagt die Sprecherin der Offenbacher Agentur für Arbeit, Regina Umbach-Rosenow. „Insbesondere jungen Eltern, die Beruf und Familie vereinbaren möchten, ermöglicht es diese Regelung, einen Berufsabschluss zu erlangen.“

Für Unternehmen habe das Modell Vorteile. „Diese Art der Ausbildung ist eine attraktive Möglichkeit, Personal zu qualifizieren und jungen Erziehenden eine berufliche Perspektive zu bieten“, sagt Kerstin Einecke, Geschäftsführerin des Frankfurter Vereins zur beruflichen Förderung von Frauen (VbFF).

Erfahrung mit der Teilzeitmodell

Der Verein hat selbst Erfahrung mit der Teilzeitmodell, bildet seit 1998 Bürokauffrauen aus. Darüber hinaus begleiten die Mitarbeiter alleinerziehende Frankfurterinnen, die in anderen Branchen Fuß fassen möchten. Dabei arbeitet der Verein eng mit dem örtlichen Jobcenter zusammen. Die Ausbildungsplätze werden finanziert durch das Jugend- und Sozialamt, das Frauenreferat und das Jobcenter der Stadt Frankfurt sowie durch das hessische Ministerium für Soziales und Integration.

„Das Modell ist sehr erfolgreich“, berichtet Einecke. „Im Durchschnitt bestehen 96 Prozent der Auszubildenden die Abschlussprüfung.“ Das hänge unter anderem damit zusammen, dass sie hochmotiviert seien, erklärt Einecke. „Ihnen liegt viel daran, dem Kind ein gutes Vorbild zu sein und bessere Perspektiven aufzuzeigen.“ Auch für Daniela Siegl war das ein Grund, eine Ausbildung anzufangen. „Sonst kann ich später von meiner Tochter ja nicht verlangen, dass sie etwas richtiges lernt.“ Als Siegl mit ihrer Ausbildung begann, war Töchterchen Selina knapp zwei Jahre alt, im Mai feiert sie ihren vierten Geburtstag. Einfach ist die Ausbildung mit Kind nicht. „Meine Tochter merkt natürlich schon, dass ich jetzt weniger zuhause bin und buhlt, wenn ich da bin, umso mehr um meine Aufmerksamkeit“, erzählt Siegl. „Es ist schon anstrengend, aber das Gefühl unabhängig zu sein, mein Geld selber zu verdienen und einen strukturierten Tagesablauf zu haben, ist schön und macht mich auch sehr stolz.“

2050 Alleinerziehende, die arbeitslos sind

Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Frankfurter Jobcenters, weiß, wie groß der Bedarf an Teilzeitausbildungsplätzen ist. „In Frankfurt gibt es derzeit 2050 Alleinerziehende, die arbeitslos sind. Etwa 92,3 Prozent davon sind Frauen“, sagt sie. „Gerade in Bezug auf den Fachkräftemangel könnten Ausbildungsmodelle mit flexibleren Arbeitszeiten Abhilfe schaffen.“

Regina Umbach-Rosenow sieht das genauso. „Ein Arbeitgeber, der es einer jungen Mutter ermöglicht, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, hat sicher am Ende eine Fachkraft und loyale Mitarbeiterin gewonnen.“ Elke Bischoff vom VbFF fordert: „Die Wirtschaft sollte sich für dieses Modell öffnen.“ Sie bedauert, dass nur wenig Betriebe von dieser Möglichkeit wüssten. Andere haben dagegen positive Erfahrungen gemacht. So auch die Telekom. Seit gut zwei Jahren bietet das Unternehmen die Teilzeitausbildung an. „Die Frauen sind hochmotiviert und gut organisiert, weil sie Kind und Karriere koordinieren müssen“, erzählt Susanne Langstroff vom Telekom-Ausbildungszentrum. „Man muss einfach Verständnis für ihre Situation aufbringen, dann funktioniert das.“

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Weitere Informationen unter www.vbff-ffm.de sowie bei den örtlichen Jobcentern.

Daniela Siegl arbeitet in der Regel 30 Stunden pro Woche – bei manchen Kollegen kommt da schon mal Neid auf, „die würden gerne tauschen“, sagt die 29-Jährige. „Die sehen nicht, wie stressig mein Alltag ist.“

Quelle: op-online.de

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