Hessens Apotheker beunruhigt

Kinder-Impfstoffe werden knapp

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Bei der Versorgung mit Impfstoffen kommt es immer häufiger zu Problemen.

Offenbach - Masern, Grippe und Windpocken: Bei der Versorgung mit Impfstoffen kommt es derzeit zu großen Problemen. Die Engpässe haben eine neue Dimension erreicht, das bestätigt auch der Hessische Apothekerverband. Von Peter Schulte-Holtey

Nachdem Hessens Apotheker schon seit einiger Zeit bei einigen rezeptpflichtigen Arzneimitteln, beispielsweise Schilddrüsen-Medikamenten, Hormonpflastern und Antibiotika, erhebliche Lieferschwierigkeiten haben, beunruhigt sie es jetzt, dass es auch in anderen Bereichen zu Problemen bei der Versorgung kommt. Betroffen sind Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln sowie ein Kombi-Mittel gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Polio. Einem Zeitungsbericht zufolge melden auch Tropeninstitute Ausfälle bei Mitteln gegen Tollwut, Gelbfieber und Typhus. „Lieferengpässe bei Impfstoffen können vor allem wegen der Komplexität der Herstellung und der Prüfungen immer wieder einmal vorkommen“, sagte eine Sprecherin des für die Zulassung von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) in Langen.

Ulrich Heininger, Sprecher der Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, sieht die Ursache des Mangels dagegen vor allem in einer zunehmenden Monopolisierung der Impfstoffproduktion. Er sieht Handlungsbedarf seitens der Politik: „Der Staat sollte Hersteller verpflichten, zur Sicherstellung der Versorgung ein Vorratslager für Standard-Impfstoffe anzulegen.“

Einige Impfstoffe nicht lieferbar

Tatsächlich konzentriert sich die Arzneiproduktion zunehmend auf wenige Hersteller. Offenbar kann der Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) momentan wegen Qualitätsproblemen in einem Werk in Belgien einen Einzelimpfstoff gegen Windpocken sowie ein Vierfach-Mittel gegen die Kinderkrankheiten Masern, Mumps, Röteln und Windpocken nicht liefern. Bei letzterem ist GSK der einzige Anbieter in Deutschland. Der Wettbewerber Sanofi Pasteur MSD, der ebenfalls Anti-Windpocken-Präparate produziere, habe erklärt, den Ausfall nicht vollständig ausgleichen zu können, heißt es. Bis April könne es noch zu Engpässen kommen. Kirsten Müller-Kuhl, Sprecherin des Hessischen Apothekerverbands: „Bei den genannten Vierfach-Impfungen ist es möglich, einzelne Impfungen, wie zum Beispiel Keuchhusten, Tetanus und Polio, durch Impfstoffe anderer Hersteller zu ersetzen. Dies bedeutet aber eine zusätzliche Belastung, weil dann mehrere Impfungen vorgenommen werden müssen.“

Dramatischer sieht es laut Müller-Kuhl bei den Impfstoffen gegen Gelbfieber und Meningokokken (die Erkrankung kann zu Hirnhautentzündung führen) aus. Diese sind ebenfalls nicht lieferbar; allerdings gibt es hier keinen Ersatzimpfstoff. Deshalb müssen die Patienten darauf hoffen, dass die eine oder andere Apotheke noch Impfstoff auf Lager hat, was möglicherweise viele Telefonate und weite Wege nach sich ziehen kann.

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„Selbstverständlich wissen wir, dass die Impfstoffherstellung kein einfaches Produktionsverfahren ist. Es ist jedoch den Menschen, die zum Beispiel aus beruflichen oder humanitären Gründen in Länder reisen müssen, die solche Impfungen unumgänglich machen, schlichtweg nicht zu vermitteln, dass hier nicht genügend Impfstoff auf Vorrat gelagert wird“, betonte der Inhaber der Rosen-Apotheke in Offenbach, Dr. Hans Rudolf Diefenbach, auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir Apotheker müssen bisher schon viel Zeit dafür aufwenden, den chronisch Kranken wechselnde Medikamente aufgrund von Rabattverträgen zwischen Krankenkassen und Herstellern zu erklären.“ Nun komme weiterer Zeitaufwand durch das Fahnden nach lieferfähigen Arzneimitteln und Impfstoffen hinzu.

Quelle: op-online.de

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