Betreuung ist immer auch eine Frage des Geldes

Investitionen gefordert

Rödermark/Rodgau/Babenhausen - Gespräche über Kinderbetreuung am Runden Tisch sind das eine. Wie aber sieht es aus, wenn es konkret wird? Ein Blick in drei Kommunen in der Region. Von unseren Reaktionen 

Rödermarks Sozialdezernent Jörg Rotter (CDU) sieht die Sache recht entspannt: Der Kreis bescheinigte der Stadt erst diese Woche, dass sie Spitzenreiter bei der Kleinkindbetreuung sei: 41,3 Prozent der Kinder unter drei Jahren haben einen Krippen- oder Tageselternplatz - wenn auch nicht immer in der Wunsch-Kita. In den Regelkindergärten gibt es derzeit eine Warteliste, doch die will Rotter bis zum Spätsommer abgearbeitet haben. Verantwortlich seien in erster Linie die unterschiedlichen Anmeldefristen von Stadt und freien Trägern.

Entspannung meldet Rödermark auch beim Personal: Seit die Stadt ihre Erzieherinnen eine Stufe höher bezahlt (Gehaltsgruppe S8 statt S6), bewerben sich wieder mehrere Interessenten auf eine freie Stelle.

Eine neue Investitionsförderung zum Ausbau der Kindertageseinrichtungen fordert Rodgaus Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP), nachdem die bisherigen Programme ausgelaufen sind. Dies betreffe gerade auch die Betreuung von Schulkindern: „Das muss weitergehen, weil der Bedarf weiter ansteigen wird. Wir brauchen auch für die Zukunft ein tragfähiges Investitionsförderprogamm für die, die Bedarf haben.“ Die Stadt Rodgau errichte in diesem Jahr auf eigene Kosten einen Neubau für die Betreuung an der Wilhelm-Busch-Schule im Stadtteil Jügesheim.

Ein großes Spannungsfeld

Im Spannungsfeld zwischen Bildungsförderung und Schuldenbremse spricht sich Schüßler dafür aus, die Eltern nicht übermäßig zu belasten. Höhere Kita-Gebühren dürften bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte kein Thema sein. Die Stadt Rodgau geht einen eigenen Weg: Um die frühkindliche Bildung zu fördern, verzichtet sie seit 2009 auf Kita-Gebühren von allen Kindern ab drei Jahren. Dadurch entgeht der Stadt eine Sonderförderung für Schwerpunkt-Kitas mit Kindern aus einkommensschwachen Familien. Das hessische Kinderförderungsgesetz (Kifög) bedürfe in diesem Punkt einer Nachbesserung. Laut Kifög fließt die Sonderförderung nämlich nur für Kinder, für die der Sozialhilfeträger die Kosten übernimmt. Rodgau erhebt keinen Kita-Beitrag und bekommt deshalb auch die Sonderförderung nicht. Schüßler: „Das kann für eine Kita durchaus 10 000 Euro im Jahr ausmachen.“

Die Kindergärten in Rodgau sind derzeit voll belegt. „Wir haben momentan eine Handvoll unversorgter Eltern, bei denen wir noch bei der Klärung sind“, berichtet Sozialdezernent Schüßler, „für alle anderen haben wir eine Lösung gefunden. Das ist nicht immer die 1a-Lösung, auch nicht immer die Einrichtung vor der Haustür.“ Bei Kleinkindern unter drei Jahren (U3) sei die Lage ähnlich. Im September solle eine neue U3-Einrichtung im Stadtteil Dudenhofen in Betrieb gehen; dann seien alle Kinder untergebracht.

Klagen auf einen Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Einen Engpass auf hohem Niveau gibt es bei den Ganztagsplätzen in den Kindertagesstätten. 75 Prozent der Kindergartenkinder bleiben derzeit über Mittag, doch die Nachfrage steigt. „Die Kurve nähert sich den 100 Prozent“, berichtet Schüßler.

In Babenhausen prognostizieren Hochrechnungen für die nächsten Jahre einen Mehrbedarf von rund 100 Plätzen für die Drei- bis Sechsjährigen sowie 26 Plätze für unter Dreijährige. Im Kita-Konzept sind verschiedene Maßnahmen aufgeführt, um die zusätzlich erforderliche Betreuung zu gewährleisten, etwa durch Erweiterungen bereits bestehender Einrichtungen. Im Gespräch ist die Stadt auch mit der Evangelischen Kirche, die ihren in die Jahre gekommenen Kindergarten ohnehin sanieren will und sich auch eine Erweiterung vorstellen kann. Alle Maßnahmen haben freilich Auswirkungen auf den städtischen Etat. Der prognostizierte Mehrbedarf für Bauten, Personal- und Betriebskosten könnte in den nächsten Jahren um rund 650.000 Euro steigen.

Quelle: op-online.de

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