Kinderwunschzentrum an Frankfurter Uniklinik

Alle Experten an einem Tisch

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Seit drei Jahren leitet Nicole Sänger das zehnköpfige Team das Kinderwunschzentrums an der Frankfurter Uniklinik.

Frankfurt - Für die Behandlung eines unerfüllten Kinderwunsches ist die Hormonlehre von großer Bedeutung. In Frankfurt wird nun diese endokrinologische Gynäkologie im universitären Kinderwunschzentrum angeboten. Von Harald H. Richter

Miriam P. lebt seit Jahren in fester Beziehung, ist erfolgreich im Beruf und beinahe zufrieden mit dem Leben. Zur Vollendung des Glücks fehlt nur noch ein Kind. Ähnlich ergeht es etwa 15 Prozent der Paare in den Industrieländern. In Deutschland sind sogar fast ein Fünftel ungewollt kinderlos – Tendenz steigend. Doch in etwa 80 Prozent der Fälle können Kinderwunschspezialisten mit moderner Reproduktionsmedizin helfen, so auch in einem Zentrum am Uniklinikum Frankfurt.

„Um fallspezifisch die Gründe ungewollter Kinderlosigkeit zu verifizieren und geeignete Behandlungsmaßnahmen einzuleiten, bietet wir spezielle Sprechstunden an“, sagt Leiterin Dr. Nicole Sänger. Die 41-jährige Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe steht an der Spitze eines zehnköpfigen Teams, das Ratsuchende über alle Therapiemethoden bei Hormonstörungen und in der Fortpflanzungsmedizin aufklärt. Ausgebaut hat man den Schwerpunkt Myom und Kinderwunsch. Bei Myomen handelt es sich um gutartige, meist schmerzhafte Muskeltumore, die die Fruchtbarkeit einschränken und Probleme bei der Schwangerschaft verursachen können.

Das der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe angegliederte Zentrum ist führend in der Fortpflanzungsmedizin und schließt die Hormonbehandlung sowie die künstliche Befruchtung ein. Sämtliche Fälle werden vorgestellt und mit Experten aus Andrologie, Urologie und der internistischen sowie pädiatrischen Endokrinologie besprochen. Angeboten wird auch das „Social Freezing“, also das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen für eine mögliche Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt.

Seit Übernahme der Leitung des Kinderwunschzentrums 2012 durch Sänger haben sich die Behandlungszahlen deutlich erhöht: von etwa 1 800 auf fast 2 500 pro Jahr. Die Einrichtung in Frankfurt arbeitet eng mit dem nationalen Netzwerk „Fertiprotekt“ zusammen, da es darum geht, die Fruchtbarkeit junger Frauen und Mädchen zu erhalten, die eine Chemotherapie oder Bestrahlung durchlaufen. Die Forschung in der Reproduktionsmedizin hat Methoden zum Schutz der Fertilität entwickelt, die allerdings nur in Zentren mit großer endokrinologischer Expertise angeboten werden. Das Kinderwunschzentrum des Uniklinikums gehört dazu. „Dadurch können wir Patientinnen vor und nach der Chemo- oder Strahlentherapie wirksam helfen und ihre Fruchtbarkeit erhalten“, sagt Sänger.

Eines bereitet den Fachleuten Kummer: Experten für Hormonlehre werden Mangelware. Von deutschlandweit rund 17.600 behandelnden Ärzten in der Geburtshilfe und Gynäkologie sind laut Bundesärztekammer nur noch 113 auf dem Gebiet tätig. „Da absehbar viele in Ruhestand gehen, wird sich die Unterversorgung verschärfen“, befürchtet Sänger. Bundesweit gibt es nur noch etwa 30 Weiterbildungsstellen, was unter anderem in der Schließung universitärer Standorte begründet liegt.

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Quelle: op-online.de

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