Kind in Tüte sterben lassen: lange Haft

Darmstadt/Hainburg - Weil sie ihr Kind unversorgt sterben ließ, ist eine junge Frau aus dem südhessischen Hainburg zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Darmstadt befand die 20-Jährige heute des Totschlags durch Unterlassen für schuldig. Beim Strafrahmen blieb die Kammer über dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert hatte. Die junge Frau hatte im August 2009 im Badezimmer ihres Elternhauses ein Baby zur Welt gebracht und dann unversorgt in eine Plastiktüte gesteckt. Der lebend geborene Junge starb daraufhin.

Die Frau gab an, Schwangerschaft und Geburt verdrängt zu haben. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Zwar ging die Kammer unter Vorsitz von Richterin Andrea Röhrig auch davon aus, dass die Angeklagte die Schwangerschaft ab einem gewissen Zeitpunkt verdrängt habe. Zudem habe sie nach der Geburt, als sie das Kind in die Tüte steckte, in einem „Zustand affektiver Erregung gehandelt“.

„Geschichte brach in dem Moment zusammen“

Dennoch habe die Angeklagte erkennen müssen, dass sie ein Kind geboren hatte. „Und wir haben hier einen Säugling, der getötet wurde“, betonte die Richterin. Die Strafe sei tat- und schuldangemessen und erzieherisch notwendig. Die Angeklagte hatte zuvor ausgesagt, sie habe Details des Geschehens verdrängt. Eltern und Freunden habe sie immer wieder erklärt, nicht schwanger zu sein.

Nach der Geburt sei eine Verdrängung aber nicht mehr möglich gewesen, war sich das Gericht bei seinem Urteil sicher. „Die Geschichte brach in dem Moment zusammen“, sagte Richterin Röhrig. Die Angeklagte nahm das Urteil zunächst gefasst auf, brach dann aber an der Schulter ihres Vaters in Tränen aus. In ihren letzten Worten hatte sie zuvor unter Schluchzen betont, sich die Geschehnisse nicht erklären zu können.

dpa

Quelle: op-online.de

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