Umwälzungen für Gläubige

Kommentar: Kirchen im Umbruch

Priestermangel, Christenmangel, Geldmangel - die massiven Strukturveränderungen in den Kirchen sind unübersehbar. Von Peter Schulte-Holtey

Der Mitgliederschwund wird natürlich finanzielle Folgen haben. Aber Finanzexperten haben bereits darauf hingewiesen, dass eine steigende Arbeitslosigkeit und der demografische Wandel viel größere Löcher in die kirchlichen Haushalte reißen werden als die Austritte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kündigte an, dass die Kirche für dieses Jahr mit einem Rückgang der Kirchensteuereinnahmen um zehn Prozent rechnet.

Angst vor interner Steuerflucht

Ungemach droht auch durch die Klage eines Kirchenrechtlers. Denn sollte er Recht behalten, können sich Gläubige künftig von der Kirchensteuer per Erklärung freimachen, ohne ihre Mitgliedschaft zu verlieren. In Teilen der Kirche geht bereits die Angst um vor der internen „Steuerflucht”, die massenhaft einsetzen könnte.

Erzbischof Zollitsch versichert jetzt zwar: „Wir wollen nicht nur von anderen fordern, Arbeitsplätze zu halten, wir wollen das uns Mögliche tun, um diese Arbeitsplätze zu erhalten, so dass ich im Augenblick da keine Gefährdung sehe.“ Ob dieses Versprechen in einigen Jahren noch gehalten werden kann, ist fraglich. Die zu erwartenden Einschnitte in die Infrastruktur sind riesig. Gemeinden werden zusammengelegt und Gebäude aufgegeben, die großen Umwälzungen sind ja jetzt schon überall zu sehen.

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Er muss Antworten darauf geben, wie sich die christlichen Kirchen in globalen Zeiten aufstellen, wie sie sich im Wettstreit der Weltanschauungen positionieren wollen. Die Kirchen werden sich auch inhaltlich neu orientieren müssen, sie sollten vor allem offen sein für Menschen, die bisher wenig Zugang zu den Gottesdiensten gefunden haben. Katholische und evangelische Kirche werden sich noch viel stärker als unverzichtbare gesellschaftliche Institutionen darstellen müssen, die in einer Welt, die von Gewalt und Geld regiert wird, Gerechtigkeit für alle einfordern.

Quelle: op-online.de

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