100 Tage Rechtsanspruch

Kita-Ausbau: Nur Frankfurt mit Problemen

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Frankfurt/Wiesbaden - Der Kita-Ausbau ist in fast ganz Hessen gelungen. In Frankfurt wird der Rechtsanspruch derzeit jedoch noch nicht erfüllt. Über 1000 U3-Plätze fehlen.

Den größeren Städten in Hessen ist der Ausbau der Kitaplätze weitgehend gelungen. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa in Hessen ergab, gibt es bis auf Frankfurt in keiner größeren Kommune Probleme. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für Kleinkinder unter drei Jahren (U3) besteht seit dem 1. August und ist am Freitag 100 Tage in Kraft.

Auch die hessische Landesregierung sieht große Fortschritte beim Ausbau von Kita-Plätzen für die Ein- und Zweijährigen. „Hessen kommt sehr gut voran“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums. Indem das Land so viel Mittel wie noch nie investiert habe, seien Städte und Kommunen bei ihrer Aufgabe des Betreuungsplatzausbaus intensiv unterstützt worden. 265 Millionen Euro seien von Bund und Land investiert worden. Die Landesregierung gebe von 2014 an pro Jahr im Schnitt 424,5 Millionen Euro für den Betrieb der Einrichtungen. Zum Vergleich: 1999 seien es gerade einmal 60 Millionen Euro gewesen.

Versorgungsgrad mit Krippenplätzen

Den vereinbarten Versorgungsgrad mit Krippenplätzen habe Hessen übertroffen. Er liegt aktuell bei 38 Prozent und entspricht 56.700 U3-Plätzen in Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege. Vereinbart worden war auf dem Krippen-Gipfel 2007 zwischen Bund, Ländern und Kommunen ein bundesweit durchschnittlicher Versorgungsgrad von 35 Prozent zum Start des Rechtsanspruches.

Es könne aber, gerade in Ballungsgebieten, in Einzelfällen zu Engpässen bei U3-Plätzen kommen, räumte das Sozialministerium ein. Wie viele Klagen es wegen Kitaplätzen in Hessen gibt, konnte das Ministerium nicht sagen. Eine Klagewelle ist aber ausgeblieben. Nur vereinzelt gibt es Beschwerden oder Verfahren, wie die Umfrage ergab. Der Platzbedarf wird von den Kommunen zusammen mit den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe ermittelt.

Das Sozialministerium mahnte mehr Transparenz bei den Kommunen an. Diese sollten über Internetportale Auskunft über ihr Angebot geben, um Doppelanmeldungen zu verhindern, sagte Minister Stefan Grüttner (CDU). Außerdem könnten die Kommunen ihre Vernetzung intensivieren.

Zur Frage des Fachkräftebedarfs gibt es laut Ministerium für ganz Hessen keine eindeutige Einschätzung. Während in Nordhessen und in den ländlichen Regionen nicht allgemein von einem Fachkräftemangel ausgegangen werden könne, stehe das Rhein-Main-Gebiet vor einer großen Herausforderung bei der Rekrutierung von Fachkräften.

1300 Bedarfsmeldungen von Eltern

In Frankfurt fehlen als einziger Großstadt Hessen indes noch viele Betreuungsplätze. Es gebe 1300 Bedarfsmeldungen von Eltern, die nicht befriedigt werden konnten. „Damit haben wir den Rechtsanspruch aktuell nicht erfüllt“, sagte Elke Voitl vom Bildungsdezernat. Die Versorgungsquote sei zwar mit 39 Prozent erfüllt. Aber in Frankfurt sei die Nachfrage höher als in anderen Städten. Deswegen seien allein im U3-Bereich in diesem mehr als 1200 neue Plätze geschaffen worden. Die Stadt hat sich eine Versorgungsquote von 50 Prozent zum Ziel gesetzt. „Wir bauen mit Hochdruck weiter aus“, versicherte Voitl.

Frankfurt beklagt auch Platzmangel: „Wir haben ein Flächenproblem in dieser dichtbesiedelten Stadt“, sagte Voitl. „Wir schauen, welche Gebäude wir für Kitas umbauen können.“ Das nächste Problem: „Wir spüren den Fachkräftemangel.“ Deswegen verzögere sich auch die Eröffnung von Einrichtungen. Das Land hätte deswegen vorbeugen müssen, befand Voitl.

Darmstadt hat den Rechtsanspruch erfüllt. Die Versorgungsquote lag Ende Oktober bei knapp 43 Prozent. Bis Jahresende sollen es 45 Prozent sein. „Wir konnten bislang allen Wünschen von Eltern gerecht werden, es sind keine Klagen im U3-Bereich eingegangen“, sagte eine Stadtsprecherin. Die in der Öffentlichkeit grassierende Vermutung eines Ansturms auf Kitaplätze sei ausgeblieben. „Aus unserer Sicht ist bisher nur ein geringer Anstieg zu verzeichnen.“

Keine Klagen aus Hanau und Offenbach

Klagen von Eltern sind auch der Stadt HANAU nicht bekannt. Alle berufstätigen Eltern, die einen Betreuungsplatz benötigten, seien versorgt worden. Alle weiteren Anfragen würden in Kürze bedient. 535 Plätze stehen derzeit zur Verfügung. Die Stadt rechnet mit einem Anstieg der Nachfrage um jährlich zwei Prozent. „Langfristig wird sich die institutionelle Betreuung von jüngeren Kindern gesellschaftlich durchsetzen und zu einem erhöhten Bedarf führen“, sagte eine Stadtsprecherin.

Offenbach ist „trotz schwierigster Umstände“ beim Ausbau nach eigenen Angaben „gut vorangekommen“. Es gebe keine unversorgten Kinder. Der Rechtsanspruch sei erfüllt worden. Die Versorgungsquote liege bei knapp 50 Prozent. „Es wird erwartet, dass die Nachfrage kontinuierlich steigen wird“, teilte die Stadt mit. Probleme bereitet Offenbach die Personalfrage: „Der Markt ist äußerst angespannt und nicht alle Stellen können sofort besetzt werden.“

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

dpa

Quelle: op-online.de

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