„Es wird zur Verdrängung kommen“

Klagewelle wegen Anspruch auf Kitaplatz?

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Wiesbaden - Ziehen nach dem 1. August viele Eltern vor Gericht, weil sie keinen Kita-Platz für ihre Kleinen erhalten? Der Städtetag gibt sich optimistisch und sagt nein.

Wenn ab dem 1. August Eltern einen Anspruch auf einen Kita-Platz für ihre Kleinkinder haben, dann wird es für Hessens Kommunen ernst. Der Städtetag in Wiesbaden rechnet jedoch nicht einer Klagewelle. Bisher gebe es dafür keine Anzeichen, sagte Stephan Gieseler, Direktor des kommunalen Spitzenverbands, der Nachrichtenagentur dpa. Den größeren Städten gelinge es derzeit aber nur „unter Inanspruchnahme aller Ressourcen“, die nötigen Kita-Plätze zu schaffen, räumte er ein.

Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der ab 1. August von Eltern an ihrem Wohnort geltend gemacht werden kann, umfasst ein- und zweijährige Kinder. Bund, Länder und Kommunen haben zum Stichtag einen Versorgungsgrad von durchschnittlich 35 Prozent vereinbart. In Hessen lag er zum 1. Juli nach Angaben des Sozialministeriums bei knapp 36 Prozent. In den Großstädten ist der Bedarf aber meist weit größer, in ländlichen Gebieten dagegen geringer. Kinder ab drei Jahren haben ohnehin schon einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz.

„Es wird zur Verdrängung kommen“

Schwierig wird es künftig nach Gieselers Einschätzung für Eltern, die ihre Kinder am Arbeitsplatz betreuen lassen wollen. „Es wird zur Verdrängung kommen“, glaubt der Städtetags-Direktor. Die großen Städte seien verpflichtet, zuerst Plätze für Kinder zu schaffen, die dort auch wohnten. Das größte Problem sei aber der Mangel an Fachpersonal. „Frankfurt sucht händeringend nach Erziehern“, sagte Gieseler.

Er fordert, die fünfjährige Ausbildungszeit zu verkürzen. Außerdem müsse der Erzieher-Beruf für alternatives Personal geöffnet werden. Auch ein Förster könne mit pädagogischer Zusatzausbildung sehr gut im Waldkindergarten arbeiten. Eine Öffnung in dieser Richtung hatte auch die schwarz-gelbe Landesregierung geplant. Nach heftigen Protesten wurde dieses Vorhaben im April dieses Jahres jedoch fallengelassen.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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dpa

Quelle: op-online.de

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