Meins gegen deins

Klamottentausch bei „Swap-Party“

Wem passt was? Und wem steht es am besten? Bei Tauschpartys ist jeder auf der Suche nach dem neuen Lieblingsteil. Foto: Lara Sturm

Frankfurt - Aus einem Kinderhort in Frankfurt Fechenheim tönt Stimmengewirr und Gelächter. Ausnahmsweise stammt es nicht von Kindern, sondern von etwa 20 Frauen zwischen 16 und 41 Jahren, die sich dort zu einer Tauschparty getroffen haben. Von Lara Sturm

Der Trend der „Swap-Partys“ kommt aus den USA und findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

„Swap“ heißt übersetzt „tauschen“, und das Prinzip ist so alt wie die Menschheit: Meins gegen deins. Bei den „Swap-Partys“ können Frauen Kleidungsstücke, die sie selbst nicht mehr tragen, gegen die Schrank-Leichen anderer Modebegeisterter eintauschen. Frei nach dem Motto „tauschen statt kaufen“ bietet solch eine Feier eine tolle Chance, ein neues Lieblingsteil zu ergattern - ohne zu bezahlen.

In den Zimmern mit den bunt bemalten Wänden stehen heute kreisförmig Tische aufgebaut. Nach Größen sortiert liegen dort die ersehnten Kleidungsstücke. Von warmen Wintermänteln über kurze Sommerkleidchen ist alles dabei. Und auch Schuhe, Taschen und Schmuck finden neue Besitzerinnen. Während von den Wänden von Kinderhand gemalte Zebras und Fische das fröhliche Treiben beobachten, lernen sich die Frauen vor dem großen Tauschen bei Kaffee und Kuchen kennen.

Informationen über Tauschpartys in ganz Deutschland gibt es im Internet.

Ganz entspannt geht das Tauschen dann zu, keine Schlussverkaufspanik überfällt die Teilnehmerinnen, es ist ein großes Miteinander. Sabine Schäfter-Ilka jauchzt vor Freude auf: ,,Ich hab‘ megaspitzenmäßige High Heels gefunden – so Sex and the City mäßig. Mädels – ihr habt mich heute glücklich gemacht!“ Ihre neuen Lieblingsschuhe zieht die 41-Jährige während der Party gar nicht mehr aus. „Tauschen ist einfach schöner als kaufen, das ist ein ganz anderes Erlebnis“, findet auch Jannina Tonert (21). Die Studentin hält einen Berg Klamotten in den Händen und schwärmt: „Oh, ich hab‘ so viel tolle Sachen gefunden. Aber bei den Schuhen habe ich mich zurückgehalten. Da habe ich nur ein Paar genommen, sonst wäre ich mir doch dekadent vorgekommen.“ Julia Schmilewski (20) zählt heute zu denjenigen, die verhältnismäßig viel mitgebracht haben, und nur wenig wieder mit nach Hause nehmen. Die Studentin erklärt: „Ich bin da typisch Frau – mein Kleiderschrank ist einfach viel zu voll. Ich mit der Aktion mehr Platz schaffen.“ Die Klamotten, die unter den Teilnehmern keine neue Besitzerin fanden, werden dem Familienmarkt in Frankfurt- Bornheim gespendet.

Organisatorin Alissa Hoffmann (27) zeigt sich sehr zufrieden von dem Nachmittag: „Auch wenn es stressig war, ich würde so eine Party jederzeit wieder organisieren, jetzt weiß ich ja, wie es geht. Die Stimmung war einfach super, jeder hat etwas gefunden – ich habe das Gefühl, alle gehen glücklich nach Hause.“ Die Anti-Gewalt-Trainerin erzählt: „Die Idee für die Tauschparty stammt gar nicht von mir, die ist im Kleiderkreisel-Forum aufgekommen.“ Seit 2008 bietet die Website „kleiderkreisel.de“ eine gebührenfreie Möglichkeit, Kleidung im Netz zu tauschen oder zu verkaufen. Unter dem Motto „stilvoll gegen Verschwendung kämpfen“ steht neben den Transaktionen vor allem eines im Vordergrund: Der Community Gedanke. In den vergangenen Jahren hat sich aus der Börse ein soziales Netzwerk entwickelt, das durch Forum, Blog- und Nachrichtenfunktion als größte Konkurrenz von Ebay und Co. gilt.

Dass so eine Party dann nochmal etwas anderes ist, als online zu tauschen, wurde den Teilnehmerinnen schnell klar. Svenja Müller (20) bringt es auf den Punkt: „Am schönsten war die Atmosphäre, das muss unbedingt wiederholt werden.“

Quelle: op-online.de

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