Sie lächelt nett, aber sie kann auch anders: Nach zahllosen Delikten wandert eine junge Frau nun in Jugendhaft

... kleine Perlohrringe und sichtlich unsicher

Frankfurt ‐ Sie kommt herein mit der Robe ihrer Anwältin über dem Kopf, atmet tief durch. Schutz vor den Kameras. Zu sehen sind Jeans, lila Kapuzenpulli, schwarze Jacke. Als das Gericht eintritt, zieht sie die Robe vom Kopf und lächelt die Richter kurz an. Eine hübsche junge Frau, die dunkelbraunen Haare zum Zopf geflochten, kleine Perl ohrringe und sichtlich unsicher. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Doch Michaela D. kann auch anders. Die 20-Jährige tritt schon mal zu. schlägt Menschen ins Gesicht, stiehlt, fährt schwarz, setzt sich unter Drogen ohne Führerschein ans Steuer, randaliert. Wenn die Polizei kommt, überzieht sie die Beamten mit vulgärsten Beleidigungen. Ihre Schulkarriere ist desaströs, immerhin mit Hauptschulabschluss.

Kein einmaliger Fall in einer Großstadt wie Frankfurt. Und doch sind Journalisten da, denn Michaela D. gehört auch zu den drei Frauen, die im Oktober 2009, kurz nachdem in München Dominik Brunner an einer U-Bahnhaltestelle totgeschlagen worden war, in einer Frankfurter Bahn mit einem 51-Jährigen aneinander geraten waren.

Aber deshalb sitzt die junge Frau gestern nicht im Gerichtssaal, die Haupttäterin dieses Falls ist bereits verurteilt. „Das ist der Horror für meine Mandantin“, schimpft ihre Anwältin. Michaela D. hat Berufung eingelegt gegen das letzte von vielen Urteilen, das ein Amtsrichter im April 2009 gesprochen hatte: Zwei Jahre und drei Monate Jugendhaft - ohne Bewährung.

Die Anwältin hebt hilflos die Hände

Der Richter gestern verliest die Missetaten der Frau aus schwierigen Familienverhältnissen, die seit 2004 aktenkundig ist. Immer wieder hat sie eine Chance bekommen, immer wieder hat sie sie sofort aufs Spiel gesetzt, oft gemeinsam mit jener Lara, die in der U-Bahn zugeschlagen hatte. Der lange Vortrag ist Michaela D. unangenehm. Und doch hofft sie auf eine Chance. Ob sie den Berufungsantrag nicht zurückziehen wolle, bevor es noch schlimmer komme? Immerhin liege wieder etwas gegen sie vor. Michaela D. schüttelt den Kopf.

Die Anwältin hebt hilflos die Hände, es gibt nichts, was für die Frau spricht. Wer soll glauben, dass sie ihr Leben jetzt plötzlich in den Griff bekommt? Das Gericht nicht. Es setzt auf Erziehung in der Jugendhaft. Michaela D. schürzt die Lippen. Sie sieht darin wohl keine Chance.

Quelle: op-online.de

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