Neues System wird in Marburg getestet

Klinik setzt auf virtuellen Assistenzarzt

Offenbach/Marburg - Von der elektronischen Patientenakte bis hin zum OP-Roboter – die Digitalisierung hat die Medizin erreicht. Am Marburger Klinikum kommt jetzt auch ein virtueller Assistenzarzt zum Einsatz. Patienten können per App auch vieles selbst machen: Blutzucker messen, Puls bestimmen oder das Gewicht überwachen.

Die Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft nimmt Fahrt auf: So stellt der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum jetzt digitale Assistenten vor, die teure Fehlzuweisungen von Patienten vermeiden sollen. Damit will der unterfränkische Konzern die Abläufe in seinen Kliniken verbessern. Das Pilotprojekt werde noch in diesem Jahr am Zentrum für seltene Krankheiten in Marburg gestartet, teilte das Unternehmen mit. Der Arzt gibt dabei das Krankheitsbild in das System ein, das dann durch die Verknüpfung mit medizinischen Daten eine Diagnose erstellt und Therapievorschläge unterbreitet. Das vom IT-Unternehmen IBM entwickelte kognitive System verstehe die natürliche Sprache, könne logische Schlüsse ziehen und sei lernfähig – ein virtueller Assistenzarzt mit Zugriff auf weltweites medizinisches Wissen. Rhön-Klinikum erhofft sich durch die Digitalisierung neben der Verbesserung der Therapien für die Patienten ein effizienteres Wirtschaften.

„Noch spielt die digitale Medizin eine bescheidene Rolle im Klinikalltag“, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Gerd Hasenfuß. Universitätskliniken hätten einen IT-Standard aus dem Jahre 1999. Das soll sich aus Sicht der Mediziner künftig ändern. Statt Werte in der Arztpraxis messen zu lassen, könnten bald Gesundheits-Apps entsprechende Daten zu Blutdruck, Puls, Blutzucker und weitere Parameter kontinuierlich übertragen. Wichtig seien ein begleitender direkter Kontakt zum Arzt sowie eine Qualitätskontrolle, quasi ein „Gütesiegel“ für die Geräte und Anwendungen, bekräftigte Hasenfuß. Die medizinische Begutachtung dürfe im Krankheitsfall unter keinen Umständen fehlen. Rein gesetzlich ist auch der vorherige persönliche Besuch vorgeschrieben – selbst bei Video-Behandlungsgesprächen.

Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Der Weg in die digitale Medizinwelt fußt auf einer gesetzlichen Grundlage. Ende Dezember hatten Bundestag und Bundesrat das „Gesetz für sichere digitale Kommunikation und Anwendungen im Gesundheitswesen (E-Health-Gesetz)“ verabschiedet, das Anfang des Jahres in Kraft trat. Ziel ist es, Krankenhäuser, Arztpraxen und Apotheken besser miteinander zu vernetzen und Patientendaten vor allem für Notfälle schnell abrufbar zu machen. Als Schlüssel für die Digitalisierung des Gesundheitswesens gilt die elektronische Gesundheitskarte, die seit Januar für alle Versicherten verbindlich ist. Der darauf angebrachte Computerchip kann vieles speichern: Blutgruppe, verschriebene Medikamente, Vorerkrankungen. Jeder Arzt soll ab 2019 auf die elektronische Patientenakte zugreifen können.

dpa/kna

Quelle: op-online.de

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