Kliniken verschweigen Tod

Was ist los in den Krankenhäusern? Immer wieder sterben Patienten, ohne dass die Angehörigen informiert werden. Foto: ddp

Offenbach - Wird es noch schlimmer? Ein großer Teil der über 2 000 Krankenhäuser in Deutschland geht finanziell am Stock. Und Experten sind sich einig: Vor allem bei den Mitarbeitern auf den Stationen werden Kliniken die Spar-Schraube weiter kräftig anziehen.

Jetzt schon heißt es immer häufiger: „Der Stress am Krankenbett und in der Pflege wächst schier ins Unendliche.“ Wolfram-Arnim Candidus, Präsident des Patientenverbands, weiß es aus vielen Gesprächen: „Die Situation in den Einrichtungen ist geprägt von immer mehr Patienten, die mit weniger Personal und auch sehr oft mit weniger qualifiziertem Personal in immer kürzerer Zeit behandelt werden müssen.“ Die Folge: Der Kostendruck verursacht einen Leistungsdruck, der zu Fehlern in der Kommunikation und im Ablauf der stationären Einrichtungen führen kann.

„Maintower“, ein TV-Magazin des Hessischen Rundfunks (hr), berichtet über besonders krasse „Fehlleistungen“ des völlig überlasteten Personals. So sterben offenbar immer wieder Patienten, ohne dass die Angehörigen informiert werden. Für Aufsehen sorgen Fälle am Klinikum Offenbach und an den Städtischen Kliniken in Frankfurt-Höchst. Der Offenbacher Fall liegt schon sechs Jahre zurück; offenbar nahmen die Angehörigen die Fernseh-Berichterstattung jetzt zum Anlass, an die Öffentlichkeit zu gehen.

So soll es nach Angaben des TV-Magazins passiert sein: „Heinz Zschille wird in das Klinikum Offenbach eingeliefert. Diagnose: Schlaganfall. Zwei Wochen liegt der 83-Jährige in der Klinik, wird jeden Tag besucht. Die Familie hinterlässt mehrere Rufnummern, wenn etwas sein sollte. Es kommt kein Klinikanruf. Alles scheint zunächst in Ordnung.“ Doch dann die schreckliche Erfahrung: Als Ursula Knoll aus Offenbach mit ihrer Mutter den Vater im Krankenhaus besuchen will, erfährt sie dort: Er ist doch schon tot, liegt in einem „Abstellraum“. Zeit zum Abschied nehmen - die sei ihnen nicht gegeben worden. Für die Angehörigen ein Skandal. Das hr-Magazin: „Für Lieselotte Zschille bleibt das ungute Gefühl, bei den letzten Stunden ihres Mannes gefehlt zu haben. Prof. Dr. Norbert Rilinger, Ärztlicher Direktor des Klinikums Offenbach, leitete inzwischen Untersuchungen ein. „Wir müssen die Umstände aufklären“, sagte er. Völlig unabhängig von diesem Fall will er die Beteiligten an ihre Pflichten erinnern. Der Chefarzt: „Normalerweise werden die Angehörigen umgehend informiert, für diese Vorgänge haben wir klare Anordnungen - und das wird auch dokumentiert.“

Patientenverbandschef Candidus wundert sich nicht und erläutert: „Der Tod eines Menschen bringt in einer Klinik eine Kette von Aufgaben fürs Personal mit sich. Dies unterbricht den normalen Ablauf von Arbeiten, und wenn dann nicht ausreichende Kapazitäten vorhanden sind oder das Personal nicht ausreichend für eine effektiv wirksame Kommunikation ausgebildet ist, dann ist mit Verzögerungen beim Kontakt zwischen Personal - Klinik und Angehörigen zu rechnen.“ Fest steht: Für die betroffenen Verwandten bleibt ein tiefer Schmerz.

Quelle: op-online.de

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