1,4 Millionen Euro fließen in Sandsteinfassade

Knotenpunkt wird poliert

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Riesengroß und unverletzbar wirkt die Figur des „Atlas“ auf dem Dach des Hauptbahnhofs in Frankfurt. Im Zuge einer umfangreichen Sanierung der historischen Sandsteinfassade wurden auch an dem bronzenen Wahrzeichen Spuren der Zeit entdeckt.

Frankfurt - Gegen den „Dreck der Jahre“ wie der Projektleiter der Deutschen Bahn, Peter Wöste, ihn nennt, wird der Beförderungskonzern bei seinem Vorzeigebahnhof in Frankfurt vorgehen.

Für 1,4 Millionen Euro soll die Sandsteinfassade mit dem 30 Meter hohen Portal und den Seitenflügeln bis zum Sommer 2014 saniert werden. 15 Arbeiter, sieben Steinmetze sind darunter, treffen dabei auf 2700 Quadratmeter Fassadenfläche.

Außerdem sollen an den riesigen Frauengestalten aus Sandstein, die seinerzeit die Eisenindustrie, den Handel, die Schifffahrt und den Ackerbau symbolisierten, diverse fehlende Arme wieder eingesetzt werden.

Eine der Hauptursachen für die Schäden am Eingangstor der Mainmetropole sind fehlerhafte Ausbesserungsarbeiten an der Fassade in den 70er Jahren. Damals benutzte man als Kitt für beschädigte Steine Beton. Dies führte dazu, dass sich dahinter Wasser ansammelte. In den Wintermonaten wurde die Feuchtigkeit zu Eis und sprengte den Stein.

Heute sind die Experten am Bau deutlich weiter: Ausgebessert wird mit Sandsteinteilen, die aus den selben Heilbronner Steinbrüchen stammen wie die Originalteile im Jahr des Hauptbahnhof-Baues 1888. 20 Kubikmeter Stein werden insgesamt ausgewechselt.

Bis zu zwei Tonnen schwer sind die Elemente, an denen sich die Steinmetze in diesen Wochen abarbeiten. Als Schutz gegen Feuchtigkeit werden insgesamt über sechs Kilometer Fugen abgedichtet. Des weiteren gibt es Vorrichtungen, die die Feuchtigkeit aus dem Stein ziehen. Gegen die Tauben werden feine Netze vor die Fassade gehängt. Die alten „Taubenspieße“ waren mit Hilfe von Silikon auf die Simse geklebt - mit dem Ergebnis, dass die Steine beschädigt und fleckig wurden.

Für die Statik des Gebäudes nicht bedenklich sind die Setzungen in Folge des S-Bahnbaus in den 70er Jahren. Das Sandbett, auf dem der Bahnhof von Anbeginn steht, federt die Belastungen ab.

Am Ende der Sanierung soll der Frankfurter Hauptbahnhof, so Wöste, allerdings nicht wie ein historisierender Neubau aussehen. Ein bisschen Patina soll bleiben. Auch deshalb hat man noch nicht entschieden, ob die bronzene Atlasfigur über dem Haupteingang vom „Dreck der Jahre“ gereinigt wird oder nicht.

Fernbahnhof: Hässlisches Nadelöhr

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mic

Quelle: op-online.de

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