Kommentar: Umdrehen, wegreiten

Offenbach - Nicht die Überraschung ist überraschend - alles andere wäre es gewesen: Ein alter Revolverheld wie Roland Koch übergibt nicht abgesprochen und angekündigt Colt und Patronengurt. Von Alexander Klug

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Er hat einen Geheimplan, dreht sich um und reitet davon – auch wenn Pressekonferenz und 25-Zeilen-Schreiben an Parteikollegen von Landtag bis Kreisvorsitz einen anderen Eindruck erwecken sollen. Das hat ihm Spaß gemacht. Vielleicht gab es für den „Macher“ Koch einfach nichts mehr zu machen, war der Gurt mit Provokationen leer, der Ausweg nach Berlin von Kanzlerin Merkel blockiert; oder wollten die (jungen) Hilfssheriffs nicht mehr mitreiten?

Für uns Jüngere ist das gut. Denn die Entscheidungen der letzten Zeit ließen aufhorchen: Die Älteren werden mehr, die Jüngeren weniger – Koch hielt offenbar die Zeit für gekommen, dem auch auf seinem politischen Schachbrett Ausdruck zu verleihen. Hier 30 Millionen Euro weniger für die Hochschulen; dort Kinderbetreuung, die „überprüft“ werden soll. Pragmatisch-kalkulieren die Wähler der Zukunft im Blick – und das waren zuletzt nicht mehr die in Windeln, auf Schaukelpferden, Schulbänken und in Uni-Sälen, sondern die, deren Zeithorizont eher 20 als 40 Jahre umfasst.

Kommt der Nachwuchs zum Zug?

Das alte Lied: Es geht weniger um Inhalt und Sinn denn darum, wer wen wann warum wählt. Und vielleicht noch das Bedienen von Vertrauten: Neuer Ober-Cowboy auf der Regierungs-Ranch soll Innenminister Volker Bouffier (58) werden. Keine Spur von „frischem Wind“: Silke Lautenschläger, 41 Jahre alt, will keine Ministerin mehr sein; ob der Frankfurter Boris Rhein eine Chance bekommt, ist fraglich. Der 37 Jahre junge Staatssekretär im Innenministerium hat durchaus zahlreiche Freunde in der Partei – doch müsste er womöglich gegen seinen Chef, Innenminister und Koch-Wegbegleiter Bouffier antreten. Unwahrscheinlich. Dabei würde jemand mit neuen Ideen, icht gar so verbeultem Image und womöglich (vergleichsweise) unbelastet nicht nur inhaltlich gut tun – derjenige würde der hessischen Union vielleicht dazu verhelfen, mal wieder eine Wahl wegen, nicht trotz des Gesichts an der Spitze zu gewinnen.

Quelle: op-online.de

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