Dass der Kulturpreis nun nicht an den Autor Kermani verliehen wird, hält Landtag in Atem.

Und Koch schwieg die ganze Zeit

Wiesbaden - (dpa) Trotz mehrfacher Aufforderung der Opposition hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) im Landtag eine Entschuldigung an den Schriftsteller Navid Kermani verweigert. Anlass war die Aberkennung des Hessischen Kulturpreises, den Kermani hatte erhalten sollen.

Vize-Regierungschef Jörg-Uwe Hahn (FDP) ging gestern auf Distanz zur Entscheidung des von Koch geleiteten Preiskuratoriums: „Ich halte es für nicht klug.“ FDP-Fraktionschef Florian Rentsch nannte Kermanis umstrittene Sätze unproblematisch. Koch dagegen schwieg während der fast zweistündigen Debatte. „Es gibt Leute, die würden es als Feigheit bezeichnen“, sagte Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD).

Um den Dialog zwischen den Religionen zu würdigen, hatte das Kuratorium den Preis an Kermani, den Mainzer Kardinal Karl Lehmann, den früheren Darmstädter Kirchenpräsidenten Peter Steinacker und den Vize-Vorsitzenden des Zentralrats der Juden, Salomon Korn, verleihen wollen. Lehmann und Steinacker nahmen aber Anstoß an einem Zeitungsartikel Kermanis über die Symbolik des Kreuzes. Kermani habe die erbetene Klärung abgelehnt, sagte Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) im Landtag. Daher habe das Kuratorium einstimmig und auf Vorschlag mehrerer Mitglieder beschlossen, den Preis „unter Verzicht auf Herrn Kermani zu verleihen“.

Für die in Deutschland lebenden Muslime sei dies ein Signal der Ausgrenzung und Ungleichbehandlung, kritisierten SPD, Grüne und Linke. Das Ansehen Hessens und das Anliegen der Integration seien geschädigt. Mehrere Oppositionsredner beriefen sich auf Berichte, nach denen die Initiative von der Staatskanzlei ausgegangen sei. Die Grünen-Abgeordnete Sarah Sorge beschuldigte Koch, Kermani absichtlich missverstanden zu haben: „Er hat an die eigene Klientel, an Fulda und an Limburg, gedacht.“

CDU-Fraktionschef Christean Wagner nannte Steinackers und Lehmanns Vorbehalte dagegen „nachvollziehbar“. Immerhin erhebe Kermani den schweren Vorwurf der Gotteslästerung. Statt seine Äußerungen zu erläutern, habe er mit einer Polemik gegen Koch und das Kuratorium „die Atmosphäre belastet“. Dies zeige, dass Kermani nicht den Dialog wolle.

Sein FDP-Kollege Rentsch erinnerte an das geplante Gespräch der Preisträger und äußerte die Zuversicht, dass Kermani die Bedenken ausräumen werde. Auch Justiz- und Integrationsminister Hahn nannte es sein Ziel, dass der Preis am Ende an alle vier verliehen würde. Grüne und Linke hielten es dagegen für das Beste, in diesem Jahr auf die Vergabe ganz zu verzichten.

Quelle: op-online.de

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