Minister will Block 1 in Großkrotzenburg reaktivieren

In der Not Staudinger

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Lucia Puttrich

Wiesbaden - Um Hessens Wirtschaft vor einem teuren Stromausfall im Winter zu schützen, will Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP), dass der abgeschaltete Block 1 des Kohlekraftwerks Staudinger bei Großkrotzenburg Notfallreserve wird. Von Petra Wettlaufer-Pohl

Die Umweltministerin des Landes, Lucia Puttrich (CDU), lehnt das ab. Dazu Fragen und Antworten.

Warum wird in einem als versorgungssicher geltenden Land wie Deutschland über Stromausfall diskutiert?

Durch das Aus für die Atomenergie, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Abschaltung von nicht mehr rentablen konventionellen Kraftwerken hat sich die Stromversorgung verändert. Im Norden etwa wird viel Strom aus Erneuerbaren produziert, es fehlen jedoch die Hochspannungsnetze, um ihn in die Ballungsräume zu transportieren. Dort kann es in kalten Wintern zu Versorgungsengpässen kommen, weil die Spannung in den Netzen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann.

Ist ein Blackout denn realistisch?

Genau weiß das keiner. Im vergangenen Winter war Staudinger 1 ja noch etwa 200 Tage am Netz. Zudem hat Netzbetreiber TenneT Verträge mit Reservekraftwerken in Süddeutschland und Österreich. Als Notfallreserve, die nur an wenigen Tagen zum Einsatz käme, würde Staudinger I jetzt laut Bundesnetzagentur aber dringend gebraucht. Das sagte sie auch vor der Stilllegung aus Umweltschutzgründen schon.

Erst stillgelegt, nun wieder anfahren - das klingt nicht nach weitsichtigem Verhalten der Landesregierung?

Umwelt- und Wirtschaftsministerium sind da offenkundig nicht einig. Für eine neue Genehmigung wäre Puttrich zuständig. Ein solches Verfahren könnte mit Blick auf den kommenden Winter aber zu lange dauern.

Wie will Rentsch sich dann durchsetzen?

Wirtschaftsminister Rentsch hält eine zeitlich befristete Duldung für möglich. Das ist seinen Aussagen zufolge rechtlich etwas kompliziert, aber möglich. Geprüft werden müsse allerdings auch, ob eine Nachrüstung aus Emissionsschutzgründen erforderlich wäre.

Hat er eine Chance mit dem Verfahren?

Puttrich sieht es wohl nicht so. Dem HR-Fernsehen sagte sie gestern, die Rechtslage sei eindeutig, eine Duldung sei nicht möglich.

Könnte Eon als Betreiberin den Betrieb ablehnen?

Nein, der Netzbetreiber TenneT könnte im Falle der Genehmigung bzw. Duldung den Betrieb anweisen. Die Kosten dafür werden letztlich auf die Stromkunden umgelegt.

Warum legt Rentsch sich so ins Zeug?

Er will Druck machen, denn als Wirtschaftsminister hat er naturgemäß die Interessen der Industrie im Auge, für die ein Stromausfall erhebliche Schäden bedeuten würde. Aber Rentsch sieht allein in der drohenden Gefahr Standortnachteile für Hessen. Und es ist natürlich auch Wahlkampf: Die FDP fordert ohnehin einen Ausbaustopp für die Erneuerbaren mit dem Argument, den Strom bezahlbar zu halten.

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Quelle: op-online.de

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