Verbrauch bei 600 Kilo Kokain pro Jahr

Frankfurt - Kokainspuren im Main: Forscher untersuchten Mainwasser auf Abbauprodukte und machten einen überraschenden Fund. Der Konsum von Koks-Süchtigen liegt einiges höher als bislang angenommen. Hochrechnung kommt auf 17.000 Kokser in Frankfurt. Von Michael Eschenauer

In der Mainmetropole scheint der Konsum von Kokain deutlich höher zu liegen als dies Suchtexperten bisher annahmen. Diese Behauptung haben Forscher aufgestellt, nachdem sie Rückstände der Droge im Mainwasser nachgewiesen hatten. Nach einem Bericht der Frankfurter Neuen Presse erstreckte sich die Wasseranalyse über fünf Jahre. Das Team um den Nürnberger Forscher Prof. Fritz Sörgel fand Kokainspuren im Mainwasser in hoher Konzentration. Die Wissenschaftler schätzen, dass derzeit in Frankfurt mehr als 600 Kilo des Rauschgifts pro Jahr konsumiert werden.

Dies entspricht fast 17.000 Portionen pro Tag, der Gesamtwert liegt bei 42 Millionen Euro. Der Analyse des Nürnberger Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung (IBMP) entgegen stehen die aktuellen Statistiken des Frankfurter Drogenreferates. Bisher geht man hier von 8.000 regelmäßigen Konsumenten aus. Der hohe Verbrauch legt jedoch nach Einschätzung der Wissenschaftler eine Zahl von 17.000 Konsumenten nahe. Nach UN-Schätzungen nimmt jeder Kokainsüchtige pro Jahr 35 Gramm reines Kokain zu sich. Dies würde über 9.000 mehr Konsumenten ergeben, als bisher angenommen.

300 Kilo mehr Kokain-Verbrauch als vor drei Jahren

Der Hauptgrund für die widersprüchlichen Urteile könnte nach Einschätzung von Sörgel darin liegen, dass die Zahlen zur Verbreitung des Kokainkonsums hauptsächlich auf Umfragen beruhen. Menschen neigten dazu, bei derartigen Gelegenheiten falsche Angaben zu machen. Dies sei bei Süßigkeiten so und auch bei Alkohol. Nach Angaben des Nürnberger Wissenschaftlers werden in Frankfurt jährlich fast 300 Kilo mehr Kokain verbraucht als noch vor drei Jahren. Seit 2004 untersucht Sörgel das Mainwasser regelmäßig auf Kokainspuren. Der Forscher fahndet nach Benzoylecgonin.

Diese chemische Verbindung ist ein Abbauprodukt des Kokains. Der Kokainkonsument scheidet sie mit seinem Urin aus. Das Benzoylecgonin landet in der Kläranlage und am Ende im Main. Mit Hilfe von Rechenmodellen kann Sörgel herausfinden, wie viel Kokain im jeweiligen Einzugsbereich der Frankfurter Kläranlagen konsumiert wurde. Der Wissenschaftler unterstreicht, dass es sich bei seinen Messungen um Momentaufnahmen handelt. Aus diesem Grund würde er gerne täglich das Abwasser untersuchen. Es entstünden der Kommune keine Mehrkosten. Die Stadt steht dem Plan aufgeschlossen gegenüber.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: ©  Archivbild dpa

Kommentare