Kombination von Sport, Familie und Nacktsein

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Vereinssprecher Frank Dietrich (66) zeigt im Vereinsraum die Werbeprospekte.

Darmstadt - Das Gelände des FKK- und Familiensportvereins in Darmstadt liegt etwas außerhalb, hat aber gleich zwei Zäune: Einen massiven Drahtzaun und einen Sichtschutzzaun. Orplid, 1923 gegründet, zählt zu den ältesten Nudisten-Vereinen in Deutschland.

Laut Peter Vollgraf vom Vorstand ist er mit dem 8,5-Hektar-Gelände - das sind zwölf Fußballfelder - in Hessen der größte. Es gibt Bereiche, wo Sport gemacht wird, ein Schwimmbad etwa. Es kann auch gecampt werden. Die Wohnwagen stehen romantisch unter hohen Bäumen.

„Wir sind ein Familiensportverein, dem FKK zugrunde liegt“, sagt Vorstand Frank Dietrich (66). Wettkämpfe gibt es in Volleyball, Indiaka, Tanzen: Manches geht das ganze Jahr durch. Jetzt im Frühjahr liegt das Gelände noch etwas verlassen da. Im Vereinsheim steht auf einem Regal an der Wand ein Siegerpokal neben dem anderen. Orplid richtet Schwimm-Meisterschaften aus.

Der Verein gehört auch dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) an. Vorstand Peter Vollgraf beantwortet beim Gang über das Gelände jede Frage - auch unverkrampft die, die sich ums Nacktsein drehen. Beim Orplid sei er seit gut 20 Jahren dabei, seine Frau auch. Heute werde FKK nicht mehr so heiß diskutiert wie früher, erzählt der 62-Jährige.

Nacktheit nur mit Gleichgesinnten

Dietrich beschreibt einen Unterschied zwischen einem FKK-Verein und dem „wilden“ Nackt-Baden an einem See: „Da gehen viele hin, um zu sehen und gesehen zu werden. Das soll bei uns nicht so sein.“ Der Präsident des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur (DFK/Hannover), Kurt Fischer, meint dazu, organisierte FKK’ler wollten ihre Nacktheit nur mit Gleichgesinnten leben und nicht zum Schauobjekt von Spannern oder neugierigen Menschen werden.

Orplid zwinge niemanden, auf dem Campingplatz die Kleider abzulegen, meint Vollgraf. Schon gar nicht Kinder. „Wir sind nicht immer nackt“, sagt er. „Es hat keinen Sinn, einen Jugendlichen zu zwingen, sich immer auszuziehen.“ Die Orplider sollten aber so oft wie möglich nackt herumlaufen. Oder andersherum: „Wenn jemand in voller Montur auf der Liegewiese liegt, fällt das auf.“

Ganz textillos geht es laut DFK-Präsident Kurt Fischer nur in zwei Fällen zu: „Beim Schwimmen und in der Sauna.“ Orplid hat heute rund 800 Mitglieder, in den 70er Jahren waren es noch doppelt so viel. „Es gibt Schnupperwochen, um uns kennzulernen“, sagt Jugendwart Rudolf Rövekamp. Vor allem junge Leute sollen angesprochen werden. „Wie in allen deutschen Organisationen“, meint DFK-Präsident Fischer zu der Mitglieder-Entwicklung. In der Dachorganisation sind bundesweit rund 40.000 Menschen organisiert, zur Hälfte Frauen wie Männer. Deutlich mehr als früher Singles, Geschiedene.

Quelle: op-online.de

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