Kommentar zum Amtsketten-Wechsel in Frankfurt

Die ewige Römer-Chefin

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Christian Riethmüller

Morgen Nacht um 24 Uhr endet die Ewigkeit. Petra Roth wird dann tatsächlich ihren letzten Tag im Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters hinter sich gebracht haben. Von Christian Riethmüller

17 Jahre lang war sie die Chefin im Römer und viele Menschen, die heute in Frankfurt leben, haben nie ein anderes Stadtoberhaupt erlebt. Nicht nur deshalb wird Petra Roths Rückzug ins vorerst (Halb-)Private ein Gefühl der Leere hinterlassen, selbst wenn am Donnertagabend mit Peter Feldmann ja ihr Nachfolger vereidigt worden ist. Doch Feldmann muss sich erst einmal auf dem Weg voller großer Fußstapfen zurechtfinden, den seine Vorgängerin hinterlassen hat.

Mit großem Eifer, viel Instinkt, beeindruckendem Stehvermögen und vor allem ganz ohne Scheu vor Menschen ist Petra Roth zur bekanntesten deutschen Kommunalpolitikerin geworden: vielleicht ist sie für viele Bürger sogar neben Münchens OB Christian Ude die einzige, deren Name einem auf Anhieb einfiele. Dabei wird ihr politisches Vermächtnis durchaus zwiespältig gesehen. Ihre Kritiker werfen ihr den Flughafenausbau ebenso vor wie - in ihrer Funktion als Städtetagspräsidentin - verschiedene Änderungen beim kommunalen Finanzausgleich, die kleinere Gemeinden schlechter stellten. Solche Macht hat freilich kein Oberbürgermeister, um hier allein tätig sein zu können, doch Roths Bekanntheit prädestiniert sie eben auch als Zielscheibe der Kritik. Wenn ihr im vergangenen Jahr politisch etwas missglückt ist, dann die Regelung ihrer Nachfolge, die ja eigentlich Innenminister Boris Rhein hätte antreten sollen. Das Ergebnis jener Absprache beim Rotwein in Roths Haus in Nieder-Erlenbach heißt aber nicht Rhein, sondern Peter Feldmann.

Roths Bilanz als Stadtoberhaupt wird dieser parteitaktische Fehler aber nicht trüben. Dafür hat sich in ihrer Amtszeit viel zu viel in der Stadt getan, was durchaus in Verbindung mit der rührigen Bremerin gebracht werden darf, die doch längst ein „Frankfurter Mädsche“ geworden ist: Ansiedlung der EZB, Umzug der Goethe-Universität, Wiederentdeckung des Mainufers als Mittelpunkt der Stadt, Ausbau und Restaurierung vieler Museen wie etwa des Städel, Erweiterung der Messe, Beginn des Wiederaufbaus der Altstadt, Bau des Europaviertels, Planung des Kulturcampus Bockenheim.

Ihren ehrenvollen Platz in der Frankfurter Stadtgeschichte hat Petra Roth damit gewiss, auch weil die Stadt nun besser dasteht als zu Roths Amtsantritt im Jahr 1995.

Quelle: op-online.de

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