Bauskandal in Limburg

Kommentar: Feudaler Stil eines Bischofs

Der Skandal von Limburg muss Konsequenzen haben – rufen sogar Würdenträger der katholischen Kirche. Die Abberufung von Diözesanbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird gefordert, weil dem die Baukosten für das Diözesane Zentrum St. Nikolaus mit Bischofshaus am Limburger Domberg aus dem Ruder gelaufen sind. Von Frank Pröse

Dabei geht es freilich nicht um die am Bau üblichen Preissteigerungen sondern um die Versechsfachung der einst veranschlagten Kosten – ein weiterer Aufschlag ist nicht ausgeschlossen. Das sollte Grund genug sein für personelle Konsequenzen. Doch der fürstlich residierende Bischof will erst weitere Untersuchungen abwarten, ehe er sich überhaupt zum Vorfall äußert. Unrechtsbewusstsein? Fehlanzeige! Reue? Keine Spur! So wird Tebartz-van Elst wohl auch nicht gewahr, welchen Flurschaden er angerichtet hat; in der katholischen Kirche, deren Papst gerade für Mäßigung und Bescheidenheit wirbt; in der Kirche insgesamt, weil der Feudalstil dieses Limburger Bischofs sämtliche Vorurteile der Kritiker bedient.

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Finanzskandale gab es in der Kirche zuhauf. Aber das beweist nur, dass es auch im Kreise der Geistlichen selbstverständlich menschelt. In dieser Erkenntnis muss gehandelt werden: Die Bischofskonferenz kann nicht anders, sie muss Tebartz-van Elst aus ihrem Kreis entfernen. Und sie muss dessen Kontrolleure in die Verantwortung nehmen, die jetzt so tun, als seien sie „hinters Licht geführt“ worden. Dabei gab es genug warnende Stimmen, die innerhalb der katholischen Kirche nur nicht gehört werden wollten.

Die Finanzskandale der katholischen Kirche weisen auf Fehler im System hin, die dringend behoben werden müssen. Erste Ansätze soll es bereits gegeben haben, mehr lässt sich dazu nicht sagen. Denn Transparenz gehört nicht zu den Stärken dieses Systems. Zum Beweis blockten gestern 25 von 27 Bistümern jegliche Nachfragen ab. Auf diese Art der Geheimniskrämerei hat offenbar auch Tebartz-van Elst gesetzt. Er scheint allerdings zu waghalsig mit dem ihm anvertrauten Geld umgegangen zu sein, als dass noch etwas hätte vertuscht werden können. Unabhängig davon ist die wundersame Baukosten-Vermehrung von Limburg ein Fall für den Staatsanwalt, der ja bereits wegen des Vorwurfs der Falschaussage im Zusammenhang mit einem Erste-Klasse-Flug nach Indien ermittelt. Man stelle sich vor, der Bischof hätte nur einen Bruchteil des verbauten Geldes auf seine Indien-Reise mitgenommen und es dort den Armen gegeben...

Quelle: op-online.de

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