Boris Rhein und Sabine Thurau

Kommentar: Der Spagat und die Zeit

Ob Innenminister Boris Rhein (CDU) gelegentlich sein Amt verflucht, darf er aus politischer Raison und auch aus Kalkül nicht sagen. Doch wenn er es in diesen Tagen täte, dürfte er dafür sogar auf Verständnis stoßen.

Es läuft nicht gut für den einstigen Hoffnungsträger, der nun erneut eine Niederlage einstecken musste, die gleichzeitig auch an seinen Führungsqualitäten zweifeln lässt. Der Streit zwischen ihm und Sabine Thurau, den die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts (LKA) nun vor Gericht gewonnen hat, ist nicht nur eine personalrechtliche Angelegenheit, die auf juristischem Weg zu klären war. Es ist die Geschichte zweier Menschen geworden, deren Verhältnis irreparabel beschädigt ist und die doch eine Antwort auf den Richterspruch finden müssen.

Sabine Thurau darf demzufolge ihr Amt als Präsidentin wieder ausüben, was dem Innenminister allerdings nicht gefallen kann, weil er ja in den beiden vergangenen Jahren viel daran gesetzt hat, das Ansehen Thuraus herunterzuputzen. Als Thuraus oberster Dienstherr muss er gleichzeitig aber an ihrer Autorität und ihrer Tadellosigkeit interessiert sein, wenn sie ihr Amt ausführen soll. Diesen Spagat muss Rhein bewältigen, oder aber die Zeit entscheiden lassen. Deshalb kann es dem Ministerium nur recht sein, wenn die Staatsanwaltschaft nun Revision gegen das Thurau-Urteil eingelegt hat, um zumindest eine umfassende schriftliche Urteilsbegründung zu erhalten. Bis die erstellt ist, kann es Ende September sein. Dann darf vermutlich ein anderer Innenminister die Scherben kitten. Und fluchen.

Quelle: op-online.de

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