Gut, dass DFB-Akademie entsteht

Kommentar zum Bürgerentscheid über Frankfurter Rennbahn

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Frankfurt - Der DFB und die Stadt Frankfurt sind noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Die Akademie kann nun doch am Main entstehen. Und das ist gut so. Von Christoph Zöllner

Zu groß wäre der Image-Verlust für Frankfurt gewesen, wenn der Deutsche Fußball-Bund seiner angestammten Heimat untreu geworden wäre und sein Leistungszentrum etwa in Berlin gebaut hätte. Es bleibt also bei dem in den vergangenen Tagen plakatierten Slogan des Fußballverbandes: „In der Welt gefeiert. In Frankfurt zu Hause. “. Die Aktion Pro Rennbahn hat verloren, obwohl die meisten Wähler (61 Prozent) beim Bürgerentscheid für den Erhalt der traditionsreichen Einrichtung in Niederrad votierten. Letztlich hätten aber doppelt so viele (124 500) dafür stimmen müssen. So hoch war die Hürde. Selbst die geplante Gesetzesänderung von Schwarz-Grün auf Landesebene, wonach dieses Quorum in Großstädten von 25 auf 15 Prozent der Wahlberechtigten gesenkt werden soll, hätte nicht helfen können. Trotzdem ist es ein respektables Ergebnis für die verhinderten Rennbahn-Retter. Sie haben mit dem ersten Frankfurter Bürgerentscheid Geschichte geschrieben und die „Akademiker“ gehörig das Fürchten gelehrt, so dass denen nichts anderes übrig blieb, als ebenfalls auf Jogi komm’ raus zu werben. Bundestrainer Joachim Löw höchstpersönlich, quasi das beste Pferd im Stall des DFB, griff noch auf der Zielgeraden mit einem Offenen Brief ins Rennen ein.

Die Galopp-Freunde müssen sich aber auch fragen lassen, ob sie mit ihren teilweise wahrheitverdrehenden Parolen immer aufs richtige Pferd gesetzt haben. Der Versuch, den FIFA-Skandal für die eigenen Zwecke einzuspannen, hat sich letztlich ebenso wenig ausgezahlt wie die großzügigen Spenden anderer deutscher Rennbahn-Betreiber. Nun muss sich zeigen, ob die Akademie-Gegner als faire Verlierer vom Platz gehen oder weiterhin die Pferde scheu machen. Angeblich wollen sie noch einige juristische Attacken reiten. Wetten, dass sie sich damit vergaloppieren würden...

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

Die Verantwortlichen im Römer sollten sich jetzt nicht zurücklehnen, sondern in Ruhe analysieren, was in den vergangenen Monaten schief gelaufen ist. Wenn bei Bürgern der Eindruck entsteht, dass eine Entscheidung still und heimlich durchgezogen werden soll, hat die Demokratie keine Sternstunde erlebt. Bei solchen Themen müssen die Wähler künftig früher und ausgiebiger informiert werden, sonst droht der nächste Bürgerentscheid. Die Stadt Frankfurt muss überdies den DFB in die Pflicht nehmen: Der nächste Weltmeister-Titel wird wieder auf dem Römerberg, also zu Hause, gefeiert!

Quelle: op-online.de

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