Condor stellt Frankfurt in Frage

Kommentar: Verrutschte Maßstäbe

Die Zeit drängt. Bis zum Sommer müssen die eigenen Interessen noch einmal ins rechte Licht gerückt werden, denn dann will der Regierungspräsident den Lärmaktionsplan rund um den Frankfurter Flughafen fertiggestellt haben. Von Frank Pröse

Deshalb also singt der Condor-Chef das ewig-alte Lied von Überlegungen zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland – zumindest mal für den Fall, dass Lärmschutzauflagen für Rhein-Main verschärft werden sollten.

Und danach sieht es aus, wenn die Stellungnahmen von 11000 Bürgern, Organisationen und Kommunen von der Behörde wirklich ernst genommen werden. 80 Prozent der Eingaben haben nämlich die Ausweitung des Nachtflugverbots zum Ziel und nicht viel weniger „Rhein-Mainer“ sprechen sich für die Deckelung der Flugbewegungen aus. Bei derlei Aussichten verlangt der Condor-Chef mehr Einsicht in die Belange des Ferienfliegers. Bei der Gelegenheit ist Airline-Chef Ralf Teckentrup ins Bordbuch zu schreiben: Wenn Flugzeuge und Crews 20 Stunden am Tag produktiv sein müssen, um im Wettbewerb bestehen zu können, dann geht das eben nicht in einem Ballungsraum, in dem die Bewohner ein Anrecht auf Ruhe haben, um beispielsweise ebenfalls produktiv sein zu können. Der Richter des vierten Senats am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat es im vergangenen Jahr auf den Punkt gebracht: „Wenn ein Flughafen wie Frankfurt in der Champions League spielt, bedeutet das nicht automatisch, dass dort rund um die Uhr geflogen werden darf.“

Der Frankfurter Flughafen wird im internationalen Wettbewerb zurückfallen

Die Crux ist, dass sich die deutsche Luftverkehrswirtschaft am Frankfurter Flughafen mit Konkurrenten sogar auf den Kanaren oder in der Wüste misst. Dabei dürfte kein Zweifel bestehen, dass Frankfurt selbst ohne jede Einschränkung des Flugbetriebs als eines der größten Drehkreuze Europas im internationalen Wettbewerb zurückfallen wird. Der arabische Raum ist bereits eines der wichtigsten Zentren für das Wachstum in der Luftfahrt.

Die Airlines in Doha und Dubai, mit Abstrichen auch in Bahrain und Kuwait setzen der europäischen Konkurrenz mächtig zu – und das bei milliardenschweren Investitionsplänen für die Infrastruktur, bei denen der Konkurrenz weiter im Norden schwindelig wird. Die Wahrheit ist: Die Kapazitäten am Golf haben für die Fluggesellschaften in den etablierten Märkten bereits bedrohliche Ausmaße erreicht. Deren Heil liegt nicht in der Möglichkeit, nachts ein, zwei Stunden länger in Frankfurt starten und landen zu können.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online

Kommentare