Kommentar zur Debatte über verkürzte Gymnasialzeit

Späte Wende

+
Peter Schulte-Holtey

Die neue Kultusministerin Nicola Beer (FDP) ahnt offensichtlich, dass der Ärger programmiert ist. Denn die Ankündigung von Ministerpräsident Volker Bouffier, sogenannten Selbständigen Gymnasien die Wahl zwischen der Schulzeitverkürzung G 8 und dem Abitur nach neun Jahren zu lassen, wird erneut Unruhe in die Schulen bringen. Von Peter Schulte-Holtey

Zumal die ersten G 8-Schüler gerade Abitur gemacht haben, G 9 am Gymnasium also ein Auslaufmodell ist. Beer hat gestern versucht, gegenzusteuern. Hastig verspricht sie, dass es „kein Durcheinander“ geben werde. Ob es hilft?.

Lesen Sie dazu auch:

Wirbel um Abkehr vom „Turbo-Abi“

Dass sie sich sorgt um ihren Kurs in der Schulpolitik liegt auf der Hand. Bei vielen Eltern, Lehrern und Schülern könnte ja jetzt ein fataler Eindruck entstehen. Denn auch die neuen Absichtserklärungen aus der Landesregierung lassen ahnen, dass G 8 ein Feldversuch bleibt. Die betroffenen Schüler müssen sich also wie „Versuchskaninchen“ vorkommen. Und es wird ja weiter an der Versuchsanordnung herumgedoktert.

So bleibt jetzt nur die Hoffnung, dass beim erneuten Schwenk in Hessens Schulpolitik klüger gehandelt wird. Von „Wahlfreiheit“ ist bereits die Rede. Alle Beteiligten an den Schulen sollten tatsächlich viel mehr in die Entscheidungen eingebunden werden. Von Michael Brehm, dem Vorsitzenden des Offenbacher Stadtelternbeirats, kommt der berechtigte Einwurf, dass man G8 jetzt auch nicht plötzlich wieder pauschal verteufeln sollte, denn es gebe sicherlich an jeder Schule Schüler, die mit G 8 zurechtkommen.

An der Leibnizschule in Offenbach wurden nach seinen Angaben bereits vor der Regel-G 8-Form „Turboklassen“ eingerichtet, die eine verkürzte Zeit bis zum Abitur hatten, jedoch auf freiwilliger Basis. Es stimmt: Genau dahin sollte man wieder zurück und nicht alle Schüler pauschal über einen Kamm scheren, sondern nach individuellen Leistungskriterien in entsprechenden Schulzeiten fördern.

Enttäuschend, dass die CDU/FDP-Landesregierung erst jetzt den Weg zu mehr Freiheit für die Schulen öffnet.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare