Kommentar: Egoistische Politiker

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Peter Schulte-Holtey

Die meisten Kliniken in Deutschland schreiben rote Zahlen. Und 2012 wird es für sie nicht besser werden: Die Personalausgaben steigen enorm, der Investitionsstau ist deutlich spürbar - auch die hessischen Krankenhäuser sehen sich mit ihren Geldsorgen alleingelassen. Von Peter Schulte-Holtey

Besonders prekär: Die Probleme sind seit langem bekannt, aber es wird nur völlig unzureichend reagiert. Auch beim Blick auf die sich weiter zuspitzende Krise der kommunalen Kliniken im Rhein-Main-Gebiet wird dies deutlich. Dort sind vor allem Kommunalpolitiker zum Hemmschuh geworden. Sie blockieren - zum Beispiel in Hanau, Wiesbaden, Darmstadt und Offenbach - grundsätzliche Sanierungen und sinnvolle Kooperationen.

In der Angst vor den Wählern, die Entlassungen, Schließungen von Fachabteilungen oder Zusammenlegungen von Krankenhäusern abstrafen könnten, verlässt sie jeglicher Mut. Sie pumpen lieber weiter Geld in marode Häuser, bremsen Sanierungsvorschläge aus und achten nur auf ihre jeweiligen egoistischen kommunalen Interessen.

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Das Durchwursteln wird also auch an vielen Kliniken in Rhein-Main weitergehen. Die Verantwortlichen werden den Gürtel - wie jetzt in Offenbach - noch enger schnallen und an die Grenzen des Möglichen gehen: eine noch dünnere Personaldecke, noch stärkeres Sparen bei Geräten und noch weniger Zeit für die Patienten. Leidtragende sind die Kranken und das überlastete Personal.

Rettung ist nur in Sicht, wenn sich Landespolitik, Städte und Kommunen im Interesse der Betroffenen entschiedener um gemeinsame Reformen kümmern. Experten beten es den Politikern seit Jahren vor: Optimistischer in die Zukunft blicken können nur noch größere Krankenhäuser bzw. diejenigen, die konsequent auf Arbeitsteilung setzen.

Quelle: op-online.de

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