Möge sie in Frieden ruhen

Kommentar zu den Fehlinvestitionen der KVBG

Es war einmal eine hübsche Tochter mit dem etwas sperrig klingenden Namen Kreisverkehrsbeteiligungsgesellschaft, genannt KVBG.

Die stolze Mutter, der Kreis Offenbach, kaufte für sie Anteile der Energieversorgung Offenbach, um mit den Gewinnen den öffentlichen Personenverkehr querfinanzieren zu können. 20 Jahre lang gedeihte die KVBG prächtig, sie trug 1,5 Millionen Euro an Verkehrs-Verlusten. Dann kam das Jahr 2000. Die EVO-Anteile wurden für 78,8 Millionen Euro an die MVV Energie AG in Mannheim verkauft. Die Tochter war mit einem Schlage reich, hatte aber Angst, dem Fiskus zu viel Geld abgeben zu müssen. Die Gier war offenbar so groß, dass das Risiko bei der Geldanlage außer Acht gelassen wurde. Die Verantwortlichen fühlten sich gut beraten, waren überzeugt von ostdeutschen Immobilien und Geldmarktfonds.

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Doch mit den Jahren wuchs die Einsicht, dass die versprochenen Renditen ausblieben. Schlimmer noch: Der Kreis musste Geld nachschießen. Jahrelanges Siechtum folgte, ehe der Kreistag vor anderthalb Jahren die Liquidation der KVBG beschloss. „Die KVBG war im politischen Raum verbrannt“, sagte Landrat Oliver Quilling. 3,9 Millionen Euro soll sie noch an die Mutter zahlen, bevor sie nach 35 Jahren in Frieden ruhen kann. Und die Moral von der Geschicht’? Kommunen müssen bei der Geldanlage erzkonservativ agieren, dürfen nicht in fragwürdige Projekte investieren, mögen sie auch noch so lukrative Gewinne versprechen. Am besten wäre es freilich gewesen, der Kreis Offenbach - und auch die Stadt Dietzenbach - hätten ihre Anteile am Energieversorger behalten. Die Renditen wären Jahr für Jahr gar prächtig ausgefallen. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer...

Gut, dass Quilling nicht nur einen Schlussstrich zieht, sondern auch noch klare Worte gebraucht: „Es war eine totale Fehlinvestition.“ 75 Millionen Euro investierte die KVBG, unterm Strich flossen nur rund 52 Millionen zurück. Ein Misserfolg sondergleichen, der lange verschleiert und schöngeredet wurde. Quillings Nachruf auf die KVBG ist freilich von Milde bestimmt: „Wir sind nicht stolz auf die Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft seit dem Jahr 2000, aber über die gesamte Firmengeschichte gesehen sind fast 20 Millionen Euro Entlastung für den Kreishaushalt auch nicht zu verachten.“ Stimmt, aber mit etwas mehr Bescheidenheit, Transparenz und Weitsicht hätte es deutlich mehr sein können.

Quelle: op-online.de

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