Römer lädt zur Regional-Debatte

Kommentar: Feldmanns starkes Signal

Bei Nachrichtenagenturen gibt es die Formulierung: „Berichterstattung entfällt mangels Nachrichtenwert.“ Von Michael Eschenauer

Vordergründig gesehen lässt sich auch der von dem regionalpolitisch äußerst umtriebigen Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann organisierte „Workshop“ von 80 regionalen Handlungsträgern so etikettieren. Am Ende von eineinhalb Stunden Gruppenarbeit standen gestern - eine genauere Auswertung soll allerdings noch folgen - zumeist bekannte Ziele, Probleme, Willensbekundungen. Dennoch: Feldmanns Ausbeute mag zunächst recht mager erscheinen, sein Signal aber ist ein starkes. Während bei der vorherigen regionalen Arbeitstagung im Februar ausschließlich Spitzenleute der Frankfurter Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur zum Debattieren gebeten wurden, kamen diesmal Entscheider der gesamten Region nach Frankfurt. Es ist eine demonstrative Verbeugung der in der Vergangenheit oft als arrogant empfundenen Großstadt Frankfurt, dass sie der Region – und hier auch den kleinen Kommunen und Kreisen – demonstrativ das Wort erteilt.

Das Sagen hatten gestern die Praktiker. Und Feldmann forderte die Anwesenden explizit auf: „Bitte nehmen Sie kein Blatt vor den Mund, erzählen Sie von Ihren Erfahrungen, teilen Sie Ihre Standpunkte mit“. Was herauskam, mag bekannt klingen, aber das Bekannte steht fortan auf breiterer Basis. Wenige können später klagen, man habe sie ja nicht gefragt. Geschickt auch: Feldmann verheddert sich nicht in eine Debatte über Strukturen, sondern setzt voll auf Ziele als Bewegungsmoment der Integration und lädt sie emotional auf. Ein starkes „Warum“ erleichtert die Suche nach einem effizienten „Wie?“. Er folgt damit einem offensichtlich nicht allen Profi-Politikern bekanntem Prinzip: In der Regel läuft eine zu frühe Debatte über benötigte Gremien oder Institutionen und die Verteilung von Kompetenzen auf ein Gerangel jeder gegen jeden hinaus, so dass am Ende die schöne Idee an Fragen der Organisierung und Verteilung von Macht scheitert. Strukturen müssen sein und sie müssen auch geschaffen werden. Trotzdem verspricht die nun praktizierte Reihenfolge: „Erst die Idee, dann die Struktur“ mehr Erfolg als alle Versuche der regionalen Einigung in der Vergangenheit. Damals lief es bezeichnenderweise eher andersherum.

Wenige Tage nach dem „Workshop“ von gestern geht es in der kommenden Woche weiter: Im Kurhaus zu Wiesbaden findet der „Abend der Metropolregion“ statt. Einzuordnen ist das Ganze als Lobbyveranstaltung. Man wolle sich gegenüber dem Land Hessen zeigen und als Machtfaktor positionieren, heißt es. In der langen Geschichte über die Hassliebe zwischen Frankfurt und seinem Umland scheint etwas in Bewegung gekommen zu sein.

Quelle: op-online.de

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