Kommentar zur flexiblen Nachtgrenze am Airport

Denken statt rumjammern

Das wird noch hart. Auf der einen Seite eine Luftverkehrsdrehscheibe, wo man sich angesichts des Nachtflugverbots fühlt, wie jemand, dem das Blut im rechten Arm abgeschnürt wird. Von Michael Eschenauer

Auf der anderen eine entnervte Bevölkerung, der das Recht auf mehr als sechs Stunden Nachtruhe verwehrt wird. Vertreter der großen Fluglinien haben schon vor Jahren das Menetekel „Randale im Transit“ heraufbeschworen, wenn hunderte Passagiere bei Startverboten nach 23 Uhr ihre Lager auf Feldbetten beziehen müssen. Nun sind sie da, die „chaotischen Zustände“. Klar ist das eine schwierige Situation. Aber was ist schlimmer: Ein Chinese, der einmal auf dem Feldbett übernachten muss, oder eine Familie, die wegen überirdischen Lärms im Keller nächtigt?

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Es ist peinlich, wenn eine Riesenfirma wie Fraport außerstande scheint, sich auf ein absehbares Problem vorzubereiten. Dass Starts nach 23 Uhr in der Regel tabu sein würden, ist seit langem bekannt. Da muss man halt besser planen, mal Geld für eine anständige Unterbringung der Passagiere und eine entsprechende Vorinformation ausgeben, statt rumzujammern. Verdient wird ja genug. Jeder Bauunternehmer, der eine Terrasse anlegt, hat beim Einsatz seines Außenrüttlers die Lärmschutzvorschriften im Wohngebiet einzuhalten und muss seine Arbeiter entsprechend einsetzen. Das Nachtflugverbot ist Gesetz - und jetzt wollen sie noch mehr Ausnahmen als sie ohnehin in Anspruch nehmen.

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Gut, dass sich FDP-Wirtschaftminister Rentsch standhaft zeigt, angesicht des treuherzigen Angebots einer Selbstverpflichtung der Luftfahrtindustrie auf ein „absolut notwendiges Minimum an verspäteten Starts“. In Wiesbaden scheint man die Lektion „Bürgerwut kann Amt kosten“ gelernt zu haben. Und am Flughafen sollten sie schon mal darüber nachdenken, was sie machen, wenn der Druck auf die 23-Uhr-Grenze weiter steigt.

Quelle: op-online.de

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