Ernüchternde Bilanz

Kommentar: Flüchtlinge nicht fit für den Arbeitsmarkt

Es wäre ja auch zu schön gewesen: Deutschland rettet nicht nur all jene von Terror, Krieg und politischer Verfolgung Geknechteten und poliert sein Image auf, es löst mit der freizügigen Aufnahme von Flüchtlingen en passant auch sein Problem der Vergreisung. Von Michael Eschenauer 

Leider muss nun festgestellt werden: Ganz so einfach wird’s nicht. Zumindest nicht in der Rhein-Main-Region. Zwar ist die Hälfte der Migranten unter 25 Jahre alt und brennt darauf, mit Laptop oder Schraubenzieher ans Werk zu gehen. Nur leider ist der Weg von der Erstaufnahmeeinrichtung an den Schreibtisch, die Werkbank und in die Reihe der Steuerzahler schier endlos.

Dennoch sollte angesichts der ernüchternden Bilanz des von der Bundesagentur für Arbeit und dem Job Center des Kreises Offenbach betriebenen Arbeitsmarktbüros über die Brauchbarkeit der Migranten auf dem Arbeitsmarkt nicht vergessen werden, dass die Möglichkeit besteht, auf diese Probleme angemessen zu reagieren. So gibt es bereits Versuche, die Arbeitsmarkt-Instrumente flexibler zu gestalten. Thomas Iser appelliert als Chef der Arbeitsagentur Offenbach an die Arbeitgeber, den Flüchtlingen „Training on the Job“zu ermöglichen, das heißt, ihnen die Chance zu geben, jenseits von Abschlüssen und Zertifikaten ihre beruflichen Kenntnisse zu beweisen und auszubauen.

Ein enger Kontakt zu den Arbeitgebern, die Schaffung von Möglichkeiten, Abschlüsse anzuerkennen, nachzubessern oder nachzuholen, das Aufbauen von Netzwerken in der Helferszene, spezielle Hilfen für Ausbildungsbetriebe, das Öffnen von unbürokratischen Wegen in den Arbeitsmarkt – all dies geschieht bereits und darf nur der Anfang sein. Von der Vorstellung, Integration in den Arbeitsmarkt sei eine Angelegenheit von paar Monaten, müssen wir uns trotzdem verabschieden. Die Desillusionierung im Themenfeld Arbeitsmarkt beweist zwei Dinge, die generell für „die Flüchtlingskrise“ gelten: Man darf weder zu sehr auf die Multi-Kulti-Schönschwätzer noch auf die Prediger allgemeiner Fremden-Phobie hören. Und: „Die Flüchtlinge“ sind weder gut noch schlecht für uns. Sie sind das, was wir aus ihnen machen.

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Quelle: op-online.de

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