Ein Joker trotz allem

Kommentar: Der Flughafen baut sein Terminal 3

Frankfurt - Wahre Größe geht anders. Warum nur fehlten die profilierten Kritiker des Flughafen-Ausbaus, Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann? Von Michael Eschenauer

Sie waren schlecht beraten, dem ersten Spatenstich zum Bau des Terminal 3 fernzubleiben und CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier die Bühne zu überlassen. Es gibt seit langem Baurecht für das umstrittene Milliardenprojekt. Da beißt auch ein wackeres SPD-Stadtoberhaupt oder ein grüner Minister keinen Faden ab. Entsprechend gelassen hätte man auftreten können - nach dem Motto: „Hier stehe ich, ich sehe das Ganze kritisch, mir sind jetzt die Hände gebunden, aber ich werde auch künftig tun, was ich kann, damit das Ganze nicht ausartet“.

Beim Thema Flughafen und erst recht beim neuen Terminal fechten selbst Freunde erbitterte Redeschlachten. Und es ist ja richtig, dass Stadtnähe nichts, aber auch gar nichts mit einem idealen Flughafenstandort zu tun hat, dass viele Menschen unter den Belastungen leiden. Richtig ist aber auch, dass viele die Nähe zu diesem Krachmacher geradezu suchen.

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Seit Jahren verliert Hessen, verliert die Region Arbeitsplätze im internationalen Wettbewerb. Viel wurde schon outgesourced, manchmal freiwillig, wenn es um umweltbelastende Branchen ging, manches unfreiwillig, wenn wir mit den niedrigen Kosten oder dem Knowhow andernorts nicht mithalten konnten. Jetzt besitzen wir mit dem Flughafen einen funktionierenden „Industriezweig“. Er ist konkurrenzfähig, lockt Unternehmen an, generiert Nachfrage, schafft Jobs. Er ist ein Pfund, mit dem wir auf der einen Seite Geld verdienen, das uns auf der anderen aber manche Last aufbürdet. Doch welche Wertschöpfung schafft keine Belastungen? Wir können - um ein altes Bonmot zu bemühen - unsere Wirtschaft nicht darauf beschränken, uns gegenseitig die Haare zu schneiden oder Lebensversicherungen anzudrehen. Wir müssen etwas produzieren, anbieten, verkaufen. Im Falle des Flughafens sind das Verbindungen für Menschen und Güter.

Bilder: Spatenstich für Terminal 3 am Flughafen Frankfurt

Den Baustart gestern sollte man weder euphorisch feiern noch verteufeln. Er stellt eine notwendige, für manche schmerzhafte Investition dar. Der Frankfurter Flughafen bedarf der permanenten kritischen Beobachtung. Auch dahingehend, ob umweltverträglichere Verkehrsmittel zum Einsatz kommen können, und wie sich Lärm möglichst vermeiden lässt. Der Flughafen nervt - ein Joker ist er trotzdem.

Quelle: op-online.de

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