Minister auf „Bewährung“

Kommentar zu den Fluglärmpausen

Raunheim - Ich hoffe, hier stammt niemand von Herrn Chruschtschow ab“, bemerkte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gestern lakonisch. Von Michael Eschenauer

Er quittierte damit die Bedenken von Journalisten, er könnte mit seinen Lärmpausen-Modellen bei Luftverkehrswirtschaft und Flugsicherung auf allzuviele „Njet-Sager“ stoßen. Es sei wichtiger, sich aufs Gelingen zu konzentrieren - und weniger auf die Stolpersteine, dozierte der ins „Machen“ verliebte Spitzengrüne. In der Tat: Der Mann lässt sich nicht so leicht entmutigen, auch nicht durch die Tatsache, dass er um Haaresbreite an einem „Nein“ der Fluglärmkommission vorbeigeschrammt ist. Diese hat zwar formal nur Beraterstatus, es ist jedoch undenkbar , dass sich Flugsicherung und Politik über ihre Forderungen und Prioritäten - außer wenn sie die Leistungsfähigkeit des Airports schmälern würden - ohne weiteres hinwegsetzen könnten. Ein „Njet“ von Jühe und seinen Kommunalkollegen hätte die Lärmpausen auf Ramsch-Niveau abgewertet. Und den grünen Minister einen Schritt näher zu jenem Schrottplatz gebracht, wo politische Auslaufmodelle vor sich hinrosten.

Das ist nicht geschehen. Al-Wazir ist auf „Bewährung“. Und so geht zum Sommerflugplan aller Voraussicht nach die schillernde „Lärmpause“ nach dem Strickmuster „Modell 4“ in den Test. Über dessen Ergebnisse lässt sich kaum spekulieren. Die Angelegenheit ist hochkompliziert und labil. Wer wohnt wo? Wer fühlt sich ab welchem Schallpegel gestört? Was ist mit nicht messbaren Verbesserungen oder Verschlechterungen der Lärmlage? Auf 155 Seiten hat die Fluglärmkommission die fünf von Al-Wazir vorgeschlagenen Lärmpausen-Modelle durchrechnen und zusammenfassen lassen. „Schweineviel Arbeit“, kommentiert Vorsitzender Thomas Jühe.

Alles zum Thema Fluglärm lesen Sie im Stadtgespräch

Er liegt richtig - nicht nur bei den Lärmpausen. Es wird angesichts der am Ende doch recht schwachen Ausschläge des Konzepts nach oben oder unten für die Politik in naher Zukunft darauf ankommen, die Lage am Boden genau im Blick zu behalten und die Öffentlichkeit, verkörpert in der Fluglärmkommission, liebevoll mitzunehmen. Nicht zuletzt müssen auch für die westlich des Airports gelegenen Städte Verbesserungen möglich gemacht werden.

100. Montags-Demo im Flughafen

Bilder

Hinter den Planfeststellungsbeschluss mit seinem mageren Nachtflugverbot zurück kann jedenfalls niemand. Da hat auch Al-Wazir gestern keine Hoffnungen keimen lassen. Er bereitet die Menschen im hessischen Flugplatz-Land stattdessen erneut auf Marathon-Distanzen vor. Die Lärmpausen sind nur eine von vielen Stellschrauben. Gedreht wird gegenwärtig an vielen. Immerhin. Schraubenzieher und nicht Brechstangen sind das einzige Werkzeug, das Realisten in diesen immer noch lauten Tagen zur Verfügung steht.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare