Fluglärmprotest vor Privathäusern

Contra: Grenze überschritten

Es gibt gute Gründe, für ein Nachtflugverbot und gegen eine Ausweitung des Betriebs am Flughafen zu sein. Sie berechtigen nicht dazu, vors Privathaus eines Andersdenkenden zu ziehen und den Konflikt dorthin zu tragen. Von Ralf Enders

Wenn Johannes Faupel die Wohnungen prominenter Ausbaubefürworter mit Hochleistungslautsprechern beschallen will, ist das kein vernünftiger Protest gegen Fluglärm. Das ist für einen Kreativschaffenden nicht mal besonders originell. Das ist eine Grenzüberschreitung. Aus Dummheit, aus Kalkül oder der Profilneurose eines Wutbürgers entsprungen.

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„Schiri, wir wissen, wo dein Auto steht“, grölen Fußballfans. „Ich weiß, wo du zuhause bist“, zischen halbstarke Jugendliche. Auf diesem Niveau „protestiert“ Faupel. Er müsste sich konsequenterweise Unmutsbekundungen von Fracht-Mitarbeitern vor seiner Wohnung gefallen lassen, die um ihre Jobs bangen. Doch wo soll das hinführen, wenn sich diese Form des Protests etabliert? Erst vor wenigen Tagen haben radikale Salafisten kritische Journalisten bedroht: „Wir wissen, wo du wohnst.“

Nein, keine Zugeständnisse: Privat ist nicht verhandelbar.

Quelle: op-online.de

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