Flugroutenänderung

Kommentar: Es ist noch nicht zu spät!

Die Überraschung ist der Deutschen Flugsicherung (DFS) gelungen. Nur zwei Stunden nach dem Ende einer Pressekonferenz mehrerer Bürgermeister vor allem aus dem Kreis Offenbach teilt die Gesellschaft mit, dass der für Mitte Dezember geplante Probebetrieb für die veränderten Anflugrouten verschoben werden müsse. Von Claudia Bechthold

Das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung habe zusätzliche Untersuchungen erbeten, die in der Kürze der Zeit nicht zu schaffen seien. Damit können Heusenstammer, Obertshäuser und Rodgauer, aber auch die Bürger weiterer Gemeinden erst einmal etwas Luft holen. Weihnachten werden sie alle noch fluglärmfrei erleben.

Im Gegensatz zu den Offenbachern, Mühlheimern und Neu-Isenburgern. Aber die sind das ja gewohnt, meint jetzt vielleicht der eine oder andere. Ja, gewohnt mögen sie es sein, aber ein Recht auf Ruhe haben sie ebenso wie alle anderen Menschen, die so nahe an einem internationalen Flughafen leben.

Die Mitteilung der DFS gibt allerdings nun erst einmal jenen Recht, die schon seit dem Sommer warnen, das neue Anflugverfahren mit dem Satellitensystem GPS sei noch nicht ausgereift genug, um so schnell genutzt werden zu können. Und es lässt ein wenig verstehen, warum die Bürgermeister jener Gemeinden, die mit dem neuen Verfahren in die Einflugschneise geraten, sich „wie vor den Kopf gestoßen“ fühlen. „Abgewürgt“ habe man sie, als sie bei der DFS um ein Gespräch gebeten hatten. Klar würgt man sie ab, wenn das Anflugverfahren, das genutzt werden soll, noch nicht ausgegoren ist. Wer würde schon dem Gegner freiwillig die besten Argumente auf dem Silbertablett servieren wollen?

Für die Bürgermeister der Gemeinden Heusenstamm, Neu-Isenburg, Obertshausen, Rodgau, Seligenstadt, Alzenau, Hainburg und auch Groß-Krotzenburg ist die neue Flugroute, auf der die Flieger erst westlich von Offenbach auf den Leitstrahl des herkömmlichen Instrumentenlandesystems einschwenken, eine „politisch gewollte Flugroute“. Und das verärgert sie noch mehr.

Endlich aufgewacht, wird da so mancher Offenbacher sagen. Denn dass im Zusammenhang mit der Erweiterung des Frankfurter Flughafens viel versprochen, wenig gehalten und vor allem nicht immer die Wahrheit gesagt worden ist, das wissen die Lederstädter schon lange. Mit Ausnahme weniger, vor allem Neu-Isenburg und Mühlheim, haben sich die Kreisgemeinden nämlich bislang eher weggeduckt, wenn es um den Flughafen-Ausbau ging. Nun wachen sie auf. Endlich!

Einigkeit ist das Zauberwort

Noch ist Zeit, doch noch zusammenzurücken und den Druck auf die Politiker in Wiesbaden und Berlin so zu erhöhen, dass ein Nachtflugverbot durchgesetzt werden kann. Denn dieses muss das wichtigste Ziel aller Bemühungen sein. Räumliche Nähe zum Flughafen ohne Fluglärm gibt es nicht, nirgends auf der Welt. Aber rund um alle großen Flughäfen wird zunehmend über den nächtlichen Lärm diskutiert, über dessen gesundheitsschädlichen Einflüsse man inzwischen viel weiß.

Einigkeit ist das Zauberwort. Die Transrapid-Trasse zum Münchner Flughafen konnte verhindert werden, weil viele Menschen gemeinsam dagegen gekämpft haben. Gegen die Nordwest-Landebahn musste der Klageweg beschritten werden, weil zu wenige Bürger mobilisiert werden konnten, um das Projekt frühzeitig zu Fall zu bringen. In Stuttgart sind die Menschen ein bisschen spät wach geworden. In Stadt und Kreis Offenbach könnte es noch gelingen, wenigstens das Nachtflugverbot durchzusetzen, wenn alle gemeinsam dafür kämpfen.

Quelle: op-online.de

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