Hessen nach der Wahl

Kommentar: Große Chancen

Wiesbaden ist nicht Berlin. Nur weil die SPD nach vier Jahren in der Merkel/Steinmeier-Koalition vom Wähler abgestraft wurde, muss es kein Naturgesetz sein, dass der Juniorpartner in Großen Koalitionen den Kürzeren zieht.

Das legendäre Bonner Bündnis bewies das Gegenteil: Die SPD profilierte sich an der Seite von CDU/CSU, so dass sie 1969 nach nur drei Jahren selbst die Regierung bilden konnte. Natürlich mögen sich die beiden Parteien in Hessen nicht, dazu haben sie sich in den vergangenen Jahrzehnten zu verbissen bekämpft. Und die beiden Spitzenleute Volker Bouffier und Thorsten Schäfer-Gümbel verbindet auch nur freundliche Distanz. Aber vielleicht ist gerade das eine gute Voraussetzung für eine gedeihliche Zusammenarbeit in der Sache. Wohin eine Koalition mit dem Wunschpartner führen kann, hat die Bundes-FDP gerade erleben müssen.

Insofern hätte Schäfer-Gümbel allen Grund, selbstbewusst in Gespräche mit der CDU zu gehen. Die Profilierungsmöglichkeiten an der Seite eines wegen seines Kuschelkurses in der eigenen Partei nicht unumstrittenen, zudem erheblich älteren Ministerpräsidenten sind groß. Dagegen sollten sich Gedankenspiele rund um ein rot-rot-grünes Bündnis verbieten. Sie würden Schäfer-Gümbels in zäher Arbeit errungenes Image mit einem Schlag zerstören.

Quelle: op-online.de

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