Hilflose S-Bahn-Begleiter

Kommentar: Reinen Wein - bitte!

Klare Auskünfte sollten das Credo von Bahn und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) sein. Der Zug kommt um 15.23 Uhr auf Gleis 5 an und um 15.32 Uhr geht’s weiter. Der Fahrgst sieht den Fahrplan und weiß Bescheid. Sicherheit durch Klarheit. Meist klappt das - beim Fahrplan.

Schade, dass sich Bahn und RMV auf einem anderen Gebiet nicht an dieses Prinzip halten. Sie setzen - und das wird von keiner Stelle bestritten - nachts als Hilfspolizisten verkleidete Servicemitarbeiter in den S-Bahnen des Rhein-Main-Gebiets ein. Die Männer und Frauen mit dem roten Barett suggerieren Schutz, der in Wirklichkeit nicht besteht.

Warum steht auf ihrer Uniform „DB-Sicherheit“?

Es mag sein, dass das martialische Auftreten der „Scheinriesen“ Krawallmacher und Grabscher abschreckt. Ein Geschmäckle bleibt. Nicht zuletzt deshalb, weil der offizielle Auftrag den Augenschein Lügen straft. Die Bahnbegleiter sehen nach handfester Hilfe aus, dürfen aber nur Auskünfte erteilen und beim Ein- und Aussteigen helfen. Weshalb sie Schlagstock, Pfefferspray und sogar Handschellen dabei haben, bleibt das Geheimnis von Bahn und RMV. Warum steht auf ihrer Uniform „DB-Sicherheit“, wenn sie per Dienstanweisung dazu angehalten sind, sich zurückzuhalten und gegebenenfalls andere, echte Helfer zu rufen?

Sicherheit ist teuer

RMV und Bahn brauchen sich mit ihren Bemühungen um mehr Sicherheit nicht zu verstecken. Umso mehr verwirrt, dass man den Fahrgästen keinen reinen Wein einschenkt und für die Mitarbeiter gefährliche rechtliche Zwickmühlen schafft. Auch die Erklärung der Bahn, die S-Bahn-Begleiter hätten deshalb eine Ausrüstung wie Ordnungskräfte dabei, weil sie vorher Karten kontrolliert hätten, überzeugt nur bedingt.

Sicherheit ist teuer. RMV und Bahn sollten trotzdem bei künftigen Ausschreibungen dafür sorgen, dass die optische Überbewertung der Mitarbeiter aufhört. Als Sheriffs gepimpte Serviceleute nutzen niemandem.

Nicht mit Scheinlösungen arbeiten

Wenn in jeder S-Bahn am Abend ein Begleiter im ersten Wagen mitfährt, ist das eine gute Sache, die ein gewisses Quantum Sicherheit bringt. Ein direkter, sofortiger Schutz vor Übergriffen ist das aber nicht. Diese Sachlage sollte man kommunizieren. Wer Erwartungen weckt, die nicht erfüllt werden dürfen, handelt fahrlässig.

Wollen Bahn und RMV mehr Schutz bieten, sollten sie die Kosten benennen und nicht mit Scheinlösungen arbeiten. Dass man anstrebt, bei der Kleiderordnung für mehr Klarheit zu sorgen, lässt immerhin hoffen.

Quelle: op-online.de

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