Internationale Automobil-Ausstellung

Kommentar: The Show must go on

Morgen beginnt die „automobilste Show der Welt“ - und angesichts des einigermaßen sinnfreien Slogans der 65. Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt drängt sich die Frage auf, ob die Automobilindustrie nicht ein wenig konkretere Beschreibungen der automobilen Gegenwart und Zukunft liefern könnte.

Kann sie nicht. Die Branche, zumal deutsche Hersteller, befindet sich seit dem konjunkturpolitischen Strohfeuer der Abwrackprämie in einem absurden Zwiespalt: Einerseits taugt das gewohnte Geschäftsmodell nach dem Motto „Schneller, größer, teurer“ auch mittelfristig für satte Zuwächse auf den Übersee-Märkten. Auf der anderen Seite steht das immer schwierigere und weniger attraktive Geschäft in Europa mit seinen herausfordernden umweltpolitischen Vorgaben. Schrumpfende Absatzzahlen erklären die Entwicklung von Spritspar-Technik zur teuren Prestigefrage – auch wenn die Lobbyisten in Brüssel effektiv arbeiten.

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Der Reibach in Fernost ist nicht umsonst zu haben. China etwa will sich seinen Anteil am mobilen Aufschwung sichern, sprich die Verlagerung von Produktion ins Reich der Mitte. Wenn Angela Merkel morgen ihre gewohnte Messe-Runde dreht und die vielen Weltpremieren der automobilen Leitmesse in Augenschein nimmt, dürfte sie daher auch der Gedanke an heimische Arbeitsplätze umtreiben.

Weniger die Sorge, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen. In Sachen Elektromobilität backt die Bundesregierung inzwischen kleinere Brötchen. Immerhin ist der verstörende PR-Nebel früherer Automobilausstellungen verraucht, haben handfeste Serienmodelle mit Elektroantrieb – wenn auch teuer und mit geringer Reichweite – in den Frankfurter Messehallen ihren Platz gefunden zwischen hochgezüchteten Boliden, exklusiven Luxuskreuzern und erschwinglichen Alltagsautos.

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Welche hohen finanziellen Risiken gegangen werden müssen, um Elektromobilität marktfähig zu machen, exerziert gerade BMW mit der aufwendigen Serienfertigung des in einem Carbon-Kleid anrollenden Elektroautos i3 vor. Die Konkurrenz beobachtet das mit einer Mischung aus Bewunderung und Spannung, während sie dem guten alten Verbrennungsmotor Effizienz beibringt – und das Thema Telematik vorantreibt, das Energieverschwendung durch intelligente Verkehrslenkung vermeiden hilft.

So illustriert der Slogan von der „automobilsten Show der Welt“ sehr treffend den schwierigen Spagat eines bedeutenden Industriezweigs zwischen Gegenwart und Zukunft. Das Eine tun und das Andere nicht lassen, lautet das kostenintensive Gebot der Stunde. Und für die IAA bedeutet das im Besonderen: The show must go on.

von Carsten Müller

Quelle: op-online.de

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