Islamunterricht beginnt heute

Kommentar: Der Kampf um die Köpfe

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Michael Eschenauer

Seit heute gibt es Islamunterricht an hessischen Schulen. Es ist ein Trumpf, der ausgespielt werden muss.

„Ob es uns nun passt oder nicht: Die Ausländer sind da. Sie und ihre Kinder werden nicht wieder verschwinden. Es geht nicht anders.“ Es war ein Ministeriums-Pressesprecher mit CDU-Parteibuch, der von wenigen Tagen diese politisch unkorrekten Worte aussprach.

Sein offenes Wort widmete sich einer Sache, die heute mit der Übergabe der Schultüten an die Erstklässler konkret wird: dem Islamunterricht an hessischen Schulen.

So, es geht also nicht anders! Man kann diesen kulturpolitischen Schritt mit weniger Zähneknirschen begründen. Wir reden von Integration. Wir reden von der Vermittlung eines Gefühls der Akzeptanz auf Seiten der Migranten. Und wir reden über das verfassungsmäßig garantierte Recht einer jeden Religionsgemeinschaft, in deutschen Schulen entsprechenden Unterricht anzubieten. Staatlich ausgebildete Lehrer erteilen in staatlichen Schulen stichprobenartig kontrollierten Islamunterricht nach staatlich anerkanntem Lehrplan. Vielleicht hilft’s ja, Transparenz zu schaffen und einer von vielen Menschen als bedrohlich empfundenen Religion ihr negatives Image zu nehmen. Das wäre doch mal was.

Für diejenigen, denen „Integrations-Trallala“ eher auf die Nerven geht, hier ein egoistisches Argument. Und das dreht sich um unsere Sicherheit. Wir führen derzeit angesichts der Sammelwut der US-Geheimdienste eine intensive Debatte über die Grenzen des Überwachungsstaats. Gegner der Spähprogramme tun sich bisweilen schwer, den Argumenten der Sicherheitsfraktion - „nur umfassende Kontrolle schafft Sicherheit vor Terroranschlägen islamistischer Gewalttäter“ - etwas entgegenzusetzen. Aber es gibt Alternativen zur Totalüberwachung der Menschen, die am Ende jene Freiheit vernichtet, die sie eigentlich schützen soll.

Was hat das mit dem Islamunterricht zu tun? Gelingt es uns - durch wie in diesem Fall schulpolitische Maßnahmen - der Stärkung eines fortschrittlichen, demokratiekompatiblen Islam im Westen Vorschub zu leisten, tragen wir dazu bei, dass der Boden ein wenig unfruchtbarer wird für die Botschaften der islamistischen Scharfmacher. Der heute beginnende Islamunterricht ist nur ein kleiner Schritt, nur eine Facette in der Auseinandersetzung mit dem Terror. Er ersetzt keine „harten“ sicherheitstechnischen Maßnahmen. Aber er lässt Hoffnung zu. Denn er öffnet den Blick auf Strategien, die man einschlagen kann, ohne ganze Kulturen unter Generalverdacht zu stellen und entsprechend rüde zu behandeln. Auf Strategien, die vermeiden, dass die Auseinandersetzung des Westens mit dem gewalttätigen Islamismus in den betroffenen Kulturkreisen genau jene Reaktionen hervorrufen, die erneut den Gotteskriegern Tür und Tor öffnen.

Der Islamunterricht ist ein Trumpf, den wir hier vor Ort ausspielen können und müssen. Das hat nichts mit naiver Integrationsromantik zu tun. Es wird ein langes Spiel mit vielen Gegnern werden. Aber Spähprogramme, Militärlogik und Drohnenflüge allein machen unser Leben niemals sicherer. Hierzu bedarf es der Siege im Werben um die Köpfe der Muslime, um die Köpfe „unserer Muslime“.

Quelle: op-online.de

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