Kreis Offenbach setzt auf Leitbild Mobilität

Kommentar: Mehr als nur Traumtänzerei

Mobilitätskonzept für die Zukunft“ - nein, das sind mitnichten Sandkastenspielereien von Traumtänzern. Von Michael Eschenauer

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Leitbild für die Zukunft

Die Erarbeitung eines Zielkatalogs, wie sich die Menschen in der Region Offenbach von A nach B bewegen sollen, ist knallharte Zukunftssicherung - nicht nur hinsichtlich immer knapper werdender Mittel in den einzelnen Städten, sondern auch, weil eine leistungsfähige Infrastruktur ein wichtiger Standortfaktor im Wettbewerb der Regionen darstellt. Dieser Zukunftsplan spiegelt die Tatsache, dass bei Straße und Schiene die Kapazitäten im Rhein-Main-Gebiet ausgereizt sind. Und das wird in Zukunft so bleiben, weil neue Strecken und Straßen kaum mehr zu finanzieren sind, oder schlicht der Platz für sie fehlt. Der Kampf des RMV um die Regionalisierungsmittel des Bundes und das höchst unsichere Schicksal der geplanten Regionaltangente West zeigen, dass nicht einmal der Status Quo sicher ist.

Deshalb kommt es darauf an, Bestehendes besser zu nutzen und neue Schwerpunkte zu setzen - zum Beispiel dadurch, dass der Radverkehr langfristig als dicke Säule inner - und überörtlicher Mobilität aufgebaut wird. Der in seiner Planung recht weit gediehene Rad-Schnellweg von Darmstadt nach Frankfurt und erste Überlegungen für ein Gegenstück zwischen Hanau und Frankfurt sind Zeichen für diesen Trend. Unter Dauerbeobachtung gehört in diesem Zusammenhang das Busnetz. Wer Verkehrsströme im großen Stil umlenken will, muss Ressourcen bündeln. Warme Luft spazierenzufahren, passt nicht mehr in die Zeit.

Die ständige Überprüfung alter Straßenbaupläne kann ebenfalls dazu beitragen, dass Geld gespart wird. Die Planung einer Straße dauert zum Teil Jahrzehnte - da ist es nötig, manchmal die „Reset“-Taste zu drücken, damit vielleicht ein Radfahrstreifen nachträglich angelegt oder die Trasse gar nicht erst gebaut wird, weil die Pkw-Zahlen sinken. Mittlerweile fahren zum Beispiel fast 40.000 Menschen täglich mit S1 und S2 - und das nur im Kreis Offenbach, gleichzeitig ist der Autoverkehr um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Darauf muss reagiert werden.

Der Kreis Offenbach nimmt mit seinem „Leitbild Mobilität“ die Rolle des Leitwolfs und Moderators ein. Die Kommunen signalisieren Kooperationsbereitschaft. In der Politik muss also doch nicht immer sofort alles viel Geld kosten, was sinnvoll ist und Spaß macht.

Quelle: op-online.de

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