Kreis will Mobilität neu erfinden

Kommentar: Zeit der Querdenker

Schöne Ideen für den Zusammenhalt! Vorgestern präsentierte der Regionalverband neuen Baugrund fürs Wohnen außerhalb der Großstadt Frankfurt. Nachteil: Viele Millionen müssen fließen, denn die Erschließung und die Verkehrs-Anbindung von Wohngebieten sind extrem teuer. Von Michael Eschenauer

Gestern folgte das „Leitbild Mobilität 2030“ des Kreises Offenbach. Dessen Charme liegt darin, dass man nicht einfach mehr Geld ausgeben muss, sondern Bestehendes kostengünstig erhalten, zukunftsfest und effektiver machen will.

Die Lage des öffentlichen Nahverkehrs im Rhein-Main-Gebiet ist gut und schlecht zugleich. Mit 705 Millionen Fahrgästen pro Jahr ist der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gut aus- in den Stoßzeiten sogar überlastet. Eine weitere Steigerung, so wünschenswert sie wäre, lässt sich nur durch enormen Geldeinsatz bewerkstelligen. Einiges ist in der Pipeline, Regionaltangente West, die U-Bahn ins Europaviertel, die Trasse zum neuen Flughafen-Terminal 3, die Nordmainische S-Bahn und der Ausbau der Strecke zwischen Bad Vilbel und Frankfurt-West. Es sind extreme Kraftakte mit zum Teil unsicherem Ausgang. Mobilität findet statt vor einer Szenerie eklatanter Unterfinanzierung. Für die Straßenunterhaltung wären deutschlandweit 18 Milliarden Euro pro Jahr notwendig, aber nur zwölf Milliarden Euro stehen zur Verfügung. Beim Schienenverkehr fehlen 1,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig stehen viele Kommunen vor dem Bankrott. Das hemmt den lokalen Straßenbau. Viele Nutzer von Bus und Bahn sind angesichts der hohen Preise ebenfalls nicht bereit, mehr für ihre Mobilität auszugeben.

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Weitere Verbesserungen, dies ist die richtige Überzeugung, die dem „Leitbild zur Mobilität der Zukunft im Kreis Offenbach“ zugrunde liegt, können nur über kleine, „smarte“ Maßnahmen funktionieren. Mit Kniffen, die bisher an verkrusteten Strukturen und Denkverboten scheiterten. Dies könnte jetzt endlich im Rahmen eines ambitionierten regionalen Ansatzes geleistet werden. Das wäre dann mal eine positive Wirkung von Geldknappheit, Veränderungsdruck und Gehirnschmalz. Und der Kreis Offenbach wäre ganz vorne.

Quelle: op-online.de

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