Tacheles ohne Echo

Kommentar zum Kreisparteitag der CDU

Erstens: Der Stadtverbands-Vorsitzende der CDU-Mühlheim, Stephan Fuchs, wünscht den Parteifreunden in seinem Grußwort mitnichten erhellende Diskussionen und eine fruchtbare inhaltliche Arbeit, sondern ausschließlich und ausdrücklich Erfolg beim möglichst schnellen Abhaken der Tagesordnung. Von Michael Eschenauer

Zweitens: Die Ergebnisse der Vorstandskandidaten liegen im hohen Prozentbereich. Drittens: Nach gut zwei Stunden ist man „durch“ und singt gemeinsam das Deutschlandlied. Kann so eine Partei echte Probleme haben?

Sie kann - und Frank Lortz, alter und neuer Chef der CDU im Kreis Offenbach, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Partei verliert immer mehr Bürgermeisterposten und damit nicht nur Gestaltungsmacht, sondern auch die optische Präsenz in Form von bekannten Köpfen im politischen Raum. Bei Bundes- und Landtagswahlen schneidet man gut ab. Es ist deshalb wohl kaum ein Problem der „Marke CDU“, das dazu geführt hat, dass von 13 Bürgermeistern im Kreis Offenbach nur noch zwei das CDU-Parteibuch haben, während die SPD sechs, die Grünen zwei und die Parteilosen drei Stadtväter stellen. Das Problem scheint im Mangel an überzeugendem Personal und einem eher matten Auftreten auf der lokalen Ebene zu liegen. „Die anderen sind nicht besser, aber wir sind dümmer“, sagt Kreisparteichef Lortz. Klare Worte. Leider bleiben sie ohne Echo.

Lesen Sie dazu auch den Artikel:

„Wir waren dümmer als die anderen“

Bei der Wahl des politischen Führungspersonals stehlen Authentizität, Originalität und die Selbstinszenierung als objektiver Anwalt des Bürgers dem verdienten Parteifunktionär mit Honoratiorengehabe und vielen Verdiensten zunehmend die Show. Der in Ehren ergraute Parteisoldat ist kein Selbstläufer an der Urne mehr. Im Gegenteil: Eine allzu starke Parteibindung riecht beim Wähler nach Seilschaft und Hinterzimmer-Klüngel. Darauf muss jede Partei reagieren.

Frank Lortz hat mit seiner Philippika Konsequenzen gezogen: Mehr Einigkeit nach innen, mehr überzeugende Personalangebote nach außen und weniger Arroganz der Macht sind die Forderungen der CDU-Kreisspitze. Auch die Anregung, bei den Kreistagswahlen eine größere Anzahl sicherer Plätze für Kandidaten der Jungen Union zu reservieren, zielt ab auf mehr Dynamik. Lortz redet Tacheles und bekommt ein Spitzen-Wahlergebnis. Aber in der Aussprache sagt keiner der 250 Delegierten etwas zu dem Vorstoß seines Parteichefs. Diese Reaktion mag entweder als vorbehaltlose Zustimmung oder Lethargie gewertet werden. Ein Aufbruch aber ist sie mit Sicherheit nicht.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © op-online.de

Mehr zum Thema

Kommentare